Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 36)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 29 — Jischub ist ein positiver Faktor, und es geht nicht mehr an, ihn zu ignorieren. Gewiß ist er noch nicht vollkommen, er bedarf noch in vieler Hinsicht des Ausbaues, aber er ist ein lebendiges Zeugnis, daß das Land die Möglichkeit besitzt, seine Arbeiter zu ernähren, und daß unser Volk noch sehr wohl in der Lage ist, wieder den inneren Zusammenhang zwischen Volk und Land herzustellen. (Lebhafter Beifall.) Unsere Kolonien, ihre äußere Entwicklung und ihr sich ganz neu gestaltendes Leben, geben allen unseren Bestrebungen erst einen greifbaren Inhalt. Es ist klar: ohne den neuen Jischub ständen wir heute leer und arm da, ohne Erfahrung, ohne Grundlagen, und wir müßten das A.BC des neuen Jischub von unten auf anfangen. Weil wir eben keinen anderen Weg haben, weil die nationale Renaissance nicht von heute auf morgen verwirklicht werden kann, weil sie nur durch allmähliche Arbeit erwachsen kann, vom Kleinen zum Großen, Stein auf Stein, bis zu ihrer Vollkomrmenheit Bescheiden, ja zurückgezogen feierten unsere Bihi-Pioniere im vorigen Jahre die dreißigste Wiederkehr des großen Tages, an dem sie ihre Arbeit im Lande begannen. In ihrem engen kleinen Kreise gedachten sie jener großen Begeisterung, die damals herrschte, als sie die Fahne entfalteten mit dem Aufruf: „Haus Jakob, kommet, wir wollen gehen," und sie gedachten auch der schweren Stunden, die sie in ihrer dreißigjährigen Arbeit durchzumachen hatten. Nur einzelne von uns können es verstehen, diese Zeit nach ihrem wahren Werte zu beurteilen. Nur wenige von uns wissen, daß diese jungen Bilu-Pioniere vielleicht die ersten Zionisten gewesen sind. Aber ich glaube, daß alle Mitglieder des Kongresses ohne Ausnahme es billigen werden, wenn ich diese Gelegenheit benütze, um unseren ersten Pionieren die Gefühle unserer Hochschätzung und unserer dankbaren Anerkennung von dieser Tribüne aus darzubringen. (Stürmischer Beifall.) Sprechen wir von diesen unseren ersten Pionieren, so müssen wir noch eines anderen Volkgenossen gedenken, eines Mannes, der sich zwar nicht im Lande angesiedelt, der aber dem Lande unendlich viel gegeben hat. In jener schweren Stunde, als der neue Jischub, gering und schwach wie er war, einer Krise verfiel, und fast keine Hoffnung mehr blieb, unsere Pioniere aus ihrem Unglück zu retten, damals, da die Gegner des Jischub bereits den Untergang des Gedankens von der Wiedergeburt unseres Landes verkündeten, da sie die schwersten Angriffe gegen die begeisterten Stürmer und Dränger richteten, die nach der Befreiung unseres Volkes lechzten, — damals erschien jener auserwählte Mann gleich einem rettenden Engel und befreite den neuen Jischub von seinen Nöten. Wenn wir heute gesunde und lebensfähige Kolonien haben, so müssen wir beim Hinweis auf dieses grandiose Werk, wenn wir nicht undankbar sein wollen, dem Baron Edmund von Rothschild unseren freudigen Dank sagen. (Lebhafter Beifall.) Denn Baron Edmund von Rothschild kam nicht als gewöhnlicher Wohltäter nach Palästina, sondern als ein Mann, dem die Zukunft seines Volkes am Herzen liegt. Während die anderen Reichen unseres Volkes nur Spott und Hohn für jene „Träumer" und „Phantasten"