Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 33)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 26 der Stolz verbietet, dieselben allzu weichlich und offenkundig zu äußern. So wird denn, wenn auch keine vollendete Erlösung, wie wir sie in der Heimstätte erwarten, so doch eine relativ hohe, menschliche Seelenruhe die Frucht redlichen und treuen Strebens zum Volkswohle sein. Gleichwohl wird man sich der Tatsache nicht verschließen dürfen, daß die Befriedigung, zum Wohle der eigenen Nation beizutragen, nicht in allen Gemütern einen geeigneten Wohnsitz finden kann. Eine nationale Jugenderziehung würde allerdings viel zur Pflege eines edlen Stolzes auf redliches Streben und wackere Taten beitragen können. Aber es gibt unzweifelhaft Naturen, in denen der heilige Funke dieser Begeisterung nicht anzufachen ist; doch auch wenn die Zahl jener Männer, welche vorwiegend die Interessen der Nation zu fördern bestrebt sind, nur gering bleibt, ihr Einfluß würde nicht zu verachten sein. Sie würden durch Wort und Schrift und durch das Vorbild ihrer Persönlichkeit in engerem oder weiterem Kreise auf die Volksmasse, die dem Nachahmen und Bewundern geneigt ist, mächtig einwirken, sie würden die wahren sittlichen Leiter und Lehrer des jüdischen Volkes sein. (Lebhafter Beifall.) Und in der Tat scheint die Zahl der Naturen, welche sich im Stillen durch das Streben nach Achtung vor sich selbst leiten lassen, nicht allzu gering zu sein. Sind wir doch ein Volk, das im allgemeinen an Idealisten reich ist; je kräftiger und größer aber eine Natur ist, je empfindlicher sie für geistige Genüsse» je mehr sie hochherzigen und edlen Regungen zugänglich, je mehr sie geläutert ist durch Nachdenken und Geistesbildung, um so mehr pflegt sie Verständnis und Empfänglichkeit zu besitzen für die tiefen und unerschöpflichen Befriedigungen, welche ein Mensch empfindet, der sich mit seinem Volke eins fühlt und der sich für ein wackeres und tätiges Mitglied seines Volkes hält. So wird durch nationale Erziehung und Propaganda auch das jüdische Leben in der Diaspora von seinem Zwiespalt und seiner Zerrissenheit einem inneren Ausgleich näher kommen. Mit dieser Tätigkeit wird sich der Zionismus zu befassen haben. - Es ist eine langwierige Arbeit, und wir haben unmittelbare Aufgaben in der eigentlichen Arbeit in Palästina, die für uns die Hauptsache bildet. Aber wir werden uns auch mit diesem Problem immer mehr zu befassen haben. Geehrter Kongreß! Werden unsere Schilderungen und unsere Ratschläge endlich Licht bringen den Augen jener, die berufen sind, zu sehen? Noch ist's nicht zu spät, aber die zwölfte Stunde naht. Möge sich unser Volk aufraffen und aus dem Traum erwachen, in den es die Untätigkeit gelullt. Wir hoffen es, und um dies tm erreichen, fahren wir fort, unsere Arbeit zu tun. Unsere Idee, sagen manche, trete aggressiv auf, und wir verstießen fortwährend gegen die milde, friedfertige Gemütsstimmung und Behaglichkeit. Wir gestehen, daß wir vieles aus der Nacht ans Licht gezogen haben. Aber noch weit mehr kann man uns vorwerfen. Auch an tiefe Probleme