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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 25

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 25 (sequence 32)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--3944-3480087
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— 25 — gleich zu tun und der Zukunft zum Vorbilde zu dienen, war ein wesentlicher und vielleicht der glänzendste Teil jüdischer Leistungen. Deshalb ist auch die Ueberzeugung von der Sicherheit einer Zukunft des jüdischen Volkes eine Vorbedingung für die psychologische Möglichkeit einer aufrechten Gesinnung und energischen Tätigkeit in der Gegenwart. Gleichwohl kann die nationale Erziehung nur die Keime zur Entwicklung edler Charaktere in die Jugend legen; die Ausbildung dieser Keime muß immer dem Leben und eigener Anstrengung überlassen sein. Wenn der junge Jude die Bitternisse des Galuth schon in seinen Kindesjahren zu spüren bekam und auf eine gewisse Selbstverteidigung angewiesen war, so wird er doch erst als selbständiger Mensch sich der ganzen Schwierigkeiten und Gefahren bewußt, welche seine festesten Grundsätze bedrohen. Der eine oder der andere wird vielleicht der Versuchung nicht widerstehen können und durch Uebereilung, durch Unkenntnis der menschlichen Verhältnisse und Mangel an Erfahrung sich zu folgenschweren Mißgriffen verleiten lassen; er wird vielleicht die treulosen Ueberläufer nachzuahmen suchen. Dann aber wird er sich wieder besinnen und die Nichtigkeit jener Karriere durchschauen. Er wird erkennen, wie jene trotz der glänzendsten Erfolge auf ihren Gebieten doch nicht glücklich werden, wie sie sich zur Erreichung ihrer Ziele tausendmal bücken, wie sie schmeicheln, lügen und heucheln müssen, wie sie immer noch trotz ihres Abfalls und schmachvollen Verrats an den ihrigen und vollständige Hingabe an die andern, von diesen „Andern" mit beleidigender Herablassung oder geradezu mit Verachtung behandelt werden, wie sie schließlich, wenn sie ihr Ziel erreicht haben, doch nicht glücklich sind, sondern nur immer weiter auf demselben mühseligen und dornenvollen Wege forteilen und, wenn ihnen durch Mißgeschick oder Torheit oder durch den natürlichen Lauf der Dinge ein ferneres Fortschreiten unmöglich geworden ist, ohne Würde und ohne Trost dem Elend und dem Jammer, dem Groll ihres eigenen Volkes und der Geringschätzung anderer Völker anheimfallen. Der junge Nationaljude vergleicht dann mit ihrem Streben das seinige. Er hat für seine Ziele nicht nötig zu betteln und z>u kriechen, das Zutrauen, welches er zu seiner Kraft besitzt und die Kühnheit, welche Wahrhaftigkeit und reine Ziele geben, lassen ihn sich den Mächtigen und Großen ebenbürtig fühlen und erzwingen ihm eine mit Furcht gepaarte Achtung, selbst bei Leuten, die ihn hassen und vernichten möchten. Sein Selbstbewußtsein wird ihn über manche Kränkungen erheben, ihn manche Beleidigungen weniger fühlen lassen, als die anderen, er wird viele der seelischen Leiden, die die anderen peinigen, gar nicht oder doch nur in geringerem Maße kennen lernen; sein edler Stolz schützt ihn gegen die Kränkungen niederen Ehrgeizes und kleinlicher Eitelkeit. Er verbannt die ängstliche Sorge darüber, ob dieser oder jener Richter sein vollständiges Assimiliertsein anerkennt oder nicht, und die Furcht vor Mächtigen und ihre Folgen, die Demütigungen vor denselben und die Empfindung ihrer Geringschätzung aus seiner Brust. Selbst körperliche Leiden verlieren etwas von ihrer Bitterkeit, wenn einem

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