Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 31)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 24 — häufig zwischen geringen Schmerzen und dauerndem Wohlsein besteht, in Erwägung ziehen müssen. Es wird oft ernster Ueberlegung, gegenseitiger Beratung zahlreicher, durch Menschenalter gesammelter Erfahrungen bedürfen, um in manchen Verhältnissen das Rechte zu treffen und vor allen Dingen wird es von großer Bedeutung sein, die Neigungen und Bedürfnisse der einzelnen Volkskreise, Naturen und Charaktere zu studieren, damit man bei dem redlichsten Streben für das Wohl des Volkes nicht in die Lage mancher Regierungen kommt, welche ihre Untertanen wider ihren Willen glücklich zu machen versuchen, indem sie ihnen, in der Ueberzeugung höherer Einsicht, vorschreiben, worüber sie sich glücklich zu fühlen haben. Bedauerlicherweise treten zuweilen Aspirationen dieser Art seitens westeuropäischer Juden im Verhältnis zu ihren osteuropäischen Brüdern in Erscheinung. Dazu brauchen wir eine nationale Erziehung. (Lebhafte Zustimmung.) Wird der Jugend durch die Erziehung die Ueberzeugung eingeflößt, daß wir ein Volk sind, dessen Mitglieder gegenseitig Pflichten und Aufgaben haben, daß selbst in dem Schwächsten unter uns die Kraft liegt, dem Volke Gutes zu tun, wird ein lebhaftes Intefesse am jüdischen Volke überhaupt und ein allgemeines jüdisches Empfinden geweckt, so werden Männer heranwachsen, die anstatt eines mattherzigen Geschehenlassens die Selbsthilfe als ihre Devise aufnehmen werden. Man wird durch eine nationale Erziehung viel zur Ausbildung dieser Gesinnung tun können, und besonders Charaktere von glänzenden Fähigkeiten und einer gewissen natürlichen Größe und Kraft könnte man durch Erweckung eines hochherzigen, uneigennützigen Stolzes zum Segen unserer Nation der Verteidigung ihrer berechtigten Interessen dienstbar machen. Es liegt in der Macht der Erziehung, Geister dieser Art durch den Hinweis auf die Taten großer Männer zu edlem Wetteifer anzuspornen und in ihrem Innern ein reines und höheres Gewissen zu erziehen, ein Gewissen, das unabhängig ist von dem Urteile kurzsichtiger Zeitgenossen. Man müßte sie lehren, ihre Taten und Gesinnungen innerlich zu prüfen, ob sie jene großen Volksgenossen billigen könnten, welche die Bannerträger und Märtyrer der jüdischen Nation gewesen ist. Es wird sich in ihnen ein reineres Gewissen und ein weiter Blick in Vergangenheit und Zukunft entwickeln lassen, ein Blick, welcher Festigkeit aus den Vorbildern der Vergangenheit zu schöpfen und sich selbst an dem erhofften Beifall späterer erleuchteter glücklicherer und freierer Geschlechter unseres Volkes in der Zukunft zu weiden imstande ist. So imaginär der Beifall von Vergangenheit und Zukunft, von Menschen, die nicht mehr sind, und solchen, welche erst kommen sollen, zu sein scheint, so ist doch für alle großen Geister, vielleicht bis zu einem gewissen Grad für alle Menschen, das Vorbild von Leistungen der Vergangenheit — unser „S'chuth Aboth" — und die Hoffnung auf den Nachruhm und das Nachwirken ihrer Ideen in fernen Jahrhunderten ein bedeutender Antrieb zu ihren großen Leistungen und Taten gewesen, und dieses Streben, es der Vergangenheit