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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 20

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 20 (sequence 27)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 20 - hauptungen. die den „fremden" Juden eine ungeahnte Mission und Agentenrolie einer fremden Unterjochungspolitik zuschreiben, den Haß und die Volksleidenschaften aufzupeitschen. Es ist dies das bekannte Rezept der Judenhetze, das in Deutschland die Ostjuden, in Frankreich die deutschen Juden und in England die „Aliens" zum roten Tuch macht. Die Phantasie des Hasses lechzt nach diesem Effekt; wäre dieser Effekt nicht da, es müßte ein anderer geschaffen werden. So ist es auch eine spießbürgerliche Kurzsichtigkeit, anzunehmen, daß die Dumawahlfrage die Verfolgung hervorgerufen hat. Eine solche Auffassung zeugt von einem Mangel sozialpolitischen Verständnisses. Die Ursachen liegen tiefer. Was wir in Polen sehen, ist ein Kampf eines reaktionären und aggressiven Nationalismus, der mit souveräner Ignorierung aller historisch gegebenen Voraussetzungen, sittlichen Prinzipien und humanitären Erwägungen eine systematische Vertilgung des jüdischen Volkes durch Aushungerung anzubahnen bestimmt ist. Es wird von einem jüdischen Chauvinismus gefaselt. Demütiger war leider noch nie ein Nacken gesenkt, des Rückgrates Schmiegsamkeit war leider nirgends größer als unter unseren dortigen Brüdern. Wenn sie nun jetzt vor der kleinlichen herrschsüchtigen Bevormundung, engherzigen Freiheitsbeschränkung, Verhetzung, Verrohung des öffentlichen Lebens, Aufstachelung der niedrigsten Triebe des Rassenhasses, Beschränkung und Zurücksetzung in der städtischen Selbstverwaltung nicht auf dem Bauche kriechen und nicht mit heuchlerischer Liebedienerei die Schmälerung hochbedeutsamer Menschenrechte willig akzeptieren, wenn sie nicht Mamelucken und Marionetten der polnischen nationalistischen Partei sein wollen, sondern ihre Rechte und die Individualität ihres Volkstums ehrlich verteidigen (lebhafter Beifall) und wahren, so sind sie Schädlinge. Nach der bekannten Maxime „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag7 ich dir den Schädel ein" ist die Boykottagitation eingeführt worden. Es gab ein Hetzen, nach Rache förmlich kreischend, ohne daß wir gewußt haben, welche Schuld den Juden beigemessen worden ist, außer der Schuld ihrer Existenz. Die Juden appellieren gegen die Lüge an die Wahrheit und gegen die Diktatur des Antisemitismus an den humanen Sinn und die oft gerühmten Ideale des schwergeprüften polnischen Volkes. Sie erklärten, es sei Wahnsinn, hoffen zu wollen, Polen könne seine Wohlfahrt fördern, indem es die Juden bekämpft: es sei Wahnsinn, zu glauben, Polen könne des Friedens, der Ruhe, der Sicherheit genießen, wenn es die Rechte des jüdischen Volkes mit Füßen tritt. Kein Widerhall! Wir müssen aber trotzdem damit rechnen, daß wir eine neue Art jüdischer Märtyrer haben werden: Boykottopfer, neue, irrende, suchende, bangende Menschen, die an den Bettelstab gekommen sind. Sie stieren wirren Blickes in die Ferne. Bald wird man ihnen in Westeuropa, in England, in Amerika, in Südafrika begegnen. Das ist auch der Zweck dieses Boykotts: Judenaustreibung auf indirektem Wege. Ob die Einwanderungsgebiete, die neuen und sehr zahlreichen Emigrationskandidaten aufnehmen werden, läßt sich nicht sagen. Die Tendenz ist nicht sehr günstig. Es unterliegt

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