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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 19

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 19 (sequence 26)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 19 — des Hasses nähren soll, verlegen. Dafür ist die Blutlüge geradezu ein Schulbeispiel. Wir haben es bei den Verfolgungen mit einem Entwicklungsprozeß zu tun und da muß noch eine Erscheinung im jüdischen Leben in der Diaspora erwähnt werden: der Boykott gegen die Juden in Polen. (Lebhafte Pfuirufe.) Ein Teil jenes alten Polenreiches, das seit seinem Bestehen eine hervorragende Rolle in der Geographie der jüdischen Diaspora spielte, ist seit einem Jahrhundert ein Bruchstück des sogenannten Ansiedlungsrayons geworden. Phantasie oder Tendenz mochten diesen Teil als eine Art eines „Landes Goschen in Mizraim" bezeichnen. In Ländern, in denen schon das nackte Dasein einen Luxus darstellt, den sich nur ein Mensch leisten kann, der zur ersten Kaufmannsgilde gehört, mag ein Ort, in dem diese Bedingung nicht erfordert wird, als ein Arkadien der Emanzipation gelten. Tatsächlich darf ein Jude auch in diesem Arkadien nicht auf dem Lande wohnen, wo der Boden einem Bauern gehört, wird nicht, wenn er Handwerker ist, in die bestehenden Zünfte aufgenommen, ist mit Bezug auf die Erziehung seiner Kinder von Ausnahmegesetzen umzingelt. Auch die Furien der großen Pogrome hatten dieses Land verhältnismäßig verschont. Im ganzen waren nur zwei bedeutende Pogrome, Warschau 1881 und Siedice 1906. Ersterer war unzweifelhaften Ursprunges; letzterer war ein Glied in der Kette sogenannter militärischer Pogrome. Wir dachten nie daran, wegen dieses Zustandes mit der polnischen Nation zu rechten. Die polnische Nation ist selbst eine leidende Nation, die krampfhaft bemüht ist, unter schweren Bedingungen ihre Existenz zu erhalten. Alle unsere Sympathien sind auf Seiten der Leidenden. Wir mochten auch annehmen, daß dieses Volk einen ganz anderen Zustand schaffen würde, wenn es zum Schmied seines eigenen Schicksals geworden wäre. Virtuosen eines Optimismus, der an Selbsttäuschung grenzt, und der gewissermaßen eine Notwendigkeit der Existenz im Galuth geworden ist, malten sich die Zukunft in rosigen Farben aus. Wenn irgendwo in der Diaspora eine sehr lange Seßhaftigkeit gewisse Zusammenhänge schafft, und das Phantom von Eindringlingen lächerlich erscheinen läßt, so ist es dieses Land der alten „Arazoth" und „Kehilloth". Eine Invasion oder eine Ueberflutung ist die Ausgeburt einer bösartigen Phantasie, die mit Unwissenheit gepaart ist. Wohl sind mehrere Gruppen schwer bedrängter Juden aus anderen Teilen der östlichen Gouvernements nach diesem Teil gekommen, es dürfte aber begreiflich sein, daß dieses keine Lustreise und kein Argonautenzug war. Im Lichte der Geschichte betrachtet, sind es ja die Bewohner früherer Teile Polens; im Zusammenhange mit der Martyriologie sind es Flüchtlinge der Verfolgung; volkswirtschaftlich ist dies ein Element, das sich durch großen Gewerbefleiß auszeichnet. Diese Einwendung ist eigentlich Nebensache. Die Agitation bemächtigte sich dieses Motives, weil es mehr geeignet ist, durch die Aufbauschung harmloser Dinge, mit allerlei sensationellen Details ausgeschmückt, durch alberne, in sich zusammenfallende Beo*

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