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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 18

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 18 (sequence 25)
Language
German, English, Hebrew
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— 18 — schränkter Existenzmöglichkeiten werden bis in ihre dunkelsten Tiefen verfolgt und vernichtet. Das ist das tägliche Brot des osteuropäischen Juden. Nun aber gibt es spezielle Prämien. Das Blutmärchen: (Stürmische Pfuirufe im ganzen Saal.) Die Rotten der schwarzen Hundert, Messerhelden und Hetzbanditen haben aus dem alten Arsenal blödsinniger mittelalterlicher Schauermären, Dämonenvorstellungen, Hexenglaubens, Ketzerverbrennungen, Zauberschwindels und des ganzen Hokuspokus, durch den das finstere Mittelalter dem Hohne aller Zeiten verfallen ist, jene Waffe gegen uns zum Kampfe hervorgeholt, die das widrigste Bild einer verwilderten Phantasie darstellt: die Blutlüge. Ist es Wirklichkeit? Man könnte eher an ein Phantom denken. Es kam anfangs so unglaublich läppisch vor, es schien so unwahrscheinlich, daß der Menschengeist heutzutage sich mit diesem nächtlichen Spuk ernstlich befassen würde. Nun hat sich dieser Haufe von Unmöglichkeiten zur vollendeten Tatsache der Anstrengung eines Prozesses verdichtet. Ein ganzes Volk wird in Atem gehalten, in drückender, spannender Erwartung einer Gerichtsverhandlung wegen eines rituellen Mordes, der durch eine Verkettung von Lügen und Klatsch dem Juden Beilis zugeschrieben wird. (Stürmische Pfuirufe.) Bekanntlich fehlt für diese Anklage jeder Anhalt, ja auch nur der Schein einer Begründung. Jeder von uns könnte in derselben Weise wie der Jude Beilis auf die Anklagebank gesetzt werden. Die Schuld des Juden Beilis ist genau so groß wie die unserige. Sie besteht darin, daß wir Juden sind; deshalb möchte man uns unter Wutgeheul und Hohnrufen das Mal auf die Stirn drücken. Es ist, dies eine verbrecherische und ruchlose Herausforderung des Gesamtjudentums der Welt. Es ist dies eine gemeine Verzerrung und Verunglimpfung der erhabenen Moral jüdischer Lehren, welche die Grundlage menschliche^ Gesittung bilden. Daß wir diesem Bestialismus, der durch die Verbreitung wilder Anklagen seine Orgien gegen uns feiert, etwa apologetisch entgegentreten, dieser Gedanke allein genügt, uns die Schamröte ins Gesicht zu treiben. Unser ganzes Selbstgefühl bäumt sich auf, unsere ganze Zornesglut lodert auf, und der bedrückten Brust entringt sich ein gewaltiger Aufschrei der in uns beleidigten Menschheit. Wir weichen voll Ekel und Entsetzen vor dieser abgrundtiefen Niedertracht zurück. Nicht gegen diese Absurdität, die sich selbst richtet, sondern gegen das System, das einem solchen Blödsinn einen Nährboden verschafft, richtet das jüdische Volk seinen flammenden Protest. (Stürmischer, langandauernder Beifall.) Das ganze Phänomen des Galuth ist in der Zähigkeit dieser absurden Verleumdung enthalten. Nichts kann sie widerlegen, weder die Bullen der Päpste, noch die Dekrete der Könige. Die Autorität der Päpste ist groß, aber der Judenhaß ist noch größer; die Macht der Regierungen ist bedeutend, aber die Macht der Finsternis ist noch bedeutender. Der Entrüstungschor großer europäischer Areopage, der die Schmach zu tilgen hoffte, hat nichts vermocht. Hat der Judenhaß diese pikante Würze nötig, so wird er sie benutzen. Die Verfolgungswut ist nie um neuen Brennstoff, der die Flamme

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