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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 17

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 17 (sequence 24)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476276--3936-3480079
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— 17 - Tohuwabohu. Ziellos, zersplittert, dem Zufall preisgegeben, wie ein Blatt, mit dem der Wind spielt. Stumpfsinnige Unterwerfung unter Knechtschaft, Schmach und Elend. Als ob ein böses Geschick mit eiserner Faust ihm seine Schicksale vorschrieb und seine Schrift in lapidaren Lettern in die Tafeln seiner Geschichte graben würde. Das einzige gemeinsame Merkmal, das an allen Teilen dieses Wirrwarrs wahrgenommen werden kann, ist — die düstere Trauer. Die Mehrheit des jüdischen Volkes leidet jetzt mehr, als es seit langer Zeit gelitten hat. Bei der Beurteilung der Lage eines Volkes dürfte zweifellos der Mehrheitsgrundsatz entscheiden. Wir müssen also feststellen, daß das jüdische Volk schwer bedrängt ist. Das Elend umklammert unsere Volksmassen immer fester. Aius dem Stadium der Exzesse ist das Volk in das Stadium des Niederganges übergegangen; aus der akuten Krise ist die schleichende geworden. Unser Haus ist baufällig geworden, und wir benötigen ein, sicheres, schützendes Dach. Inzwischen siechen die .einen im Ghetto dahin^ während die anderen wie ein gescheuchtes Wild in ferne Zonen ziehen. Ein anhaltender Notstand wächst lawinenartig 'ganz von selbst; die Widerstandskraft erlahmt, der erhabene Trotz, früher in Kampf und Not gestählt, senkt schließlich sein stolzes Haupt vor den düstern Mächten des Lebens. Es ist aber nicht nur die Zeit selbst, es sind auch schicksalsschwere Ereignisse, die den Kreis des Elends immer weiter ziehen. Dort, wo sich der wandernde Menschenstrom beständig hin- und herwälzt, begegnet man 'in letzter Zeit neuen Gestalten, die durch das Gewühl der Häfen müde und ziellos umherschweifen: Balkanjuden. Mit stummer Gebärde ziehen sie vorbei, die armen sephardischen Juden, die so hart getroffen, durch die Kriegsfurien und die Zerstörungswut verscheuchte Menschen. Ihr Spaniolisch verstehen die anderen Juden nicht, das Yiddisch der anderen "Juden verstehen sie nicht und sofern Hebräisch nicht verstanden wird, bleibt nur die Mimik als Verständigungsmittel. Eine Galuthpantomime. Aber der Schwerpunkt des Volksleids liegt nicht etwa in den blutigen Launen der Weltgeschichte, in Kriegsausbrüchen und Verwüstungen, die von entfesselter Leidenschaft angerichtet werden. Das sind Konflikte, Spannungen und Katastrophen vorübergehender Art. Wenn es einen Zustand gibt, der viel mehr die Trostlosigkeit der Lage darstellt, so ist es derjenige, der inmitten tiefsten Friedens im jüdischen Ansiedlungsrayon des europäischen Ostens herrscht. Es ist ein Kriegszustand inmitten tiefsten Friedens, ein Kampfe der mit allen Waffen eines wütenden Hasses, einer rücksichtslosen Verfolgung, raffinierter Ausnahmegesetze und grenzenloser Willkür gegen die ganze jüdische Bevölkerung geführt wird. Mit einer Entschiedenheit und mit einer Folgerichtigkeit, die man an den Elementen einer Reaktion nur sehr selten wahrzunehmen Gelegenheit hatte, werden Schritt für Schritt die Quellen des materiellen und geistigen Lebens, des Erwerbs, der Aufklärung, der Erziehung, der Menschenwürdigkeit, der Sicherheit des Daseins, der Selbständigkeit, der Entwicklung und eines edlen Wettbewerbes systematisch verstopft und verriegelt. Die noch vorhandenen Ueberreste be- 2

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