Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 17)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 10 — kunft zu erwarten, werden zugleich 4|e natürliche Basis für die Annäherung zwischen uns und der arabischen Bevölkerung in Palästina bilden. (Beifall.) Was wir dem Lande an materiellen Gütern und kulturellen Fortschritten zuführen, kommt auch der arabischen Bevölkerung zugute und wird mit der Zeit das harmonische Zusammenwirken beider in Rasse und Sprache so nahe verwandter nationaler Elemente fördern. (Lebhafter Beifall.) Wir wissen uns in unserer zionistischen Arbeit aber auch eins mit der gesamten Menschheit, denn wir fühlen uns bei unseren Bestrebungen in dauernder Gemeinschaft mit den hervorragendsten Förderern menschlicher Kultur, mit denen wir die gleichen hohen Aufgaben, dieselben edlen Ziele des Friedens und des sozialen Fortschritts verfolgen. Wir sind deshalb auch überzeugt, daß alle Regierungen und Völker unser Friedenswerk mit Wohlwollen betrachten; haben doch die meisten Staaten auch ein eigenes materielles oder moralisches Interesse daran, daß der Orient wieder zu einer Stätte blühender Zivilisation werde. Es sind uns von mancher hochgeschätzten und hochstehenden Seite Beweise tiefen Verständnisses zuteil geworden, wir begnügen uns aber damit nicht. Wir möchten die platonische Sympathie in tatsächliche Förderung umgewandelt sehen. (Lebhafter Beifall.) Wir sind andauernd" bemüht, unsere Beziehungen zu den politisch Mächtigen in besonnener Weise weiter zu pflegen und auszugestalten; wir betrachten dies als eine überaus wichtige Aufgabe, der wir viel Zeit und Mühe widmen. Wir sind uns aber bewußt, daß) die Geschicklichkeit des Unterhändlers und die Kunst der Dialektik nicht die einzigen Mittel sind, die zur Gewinnung unserer Heimstätte führen können. Wenn wir Förderung und Schutz beanspruchen, so muß etwas vorhanden sein, was gefördert und geschützt werden kann: behutsam zu pflegende Keime und in Entwicklung begriffene reale Interessen. Deshalb ist die Palästina-Arbeit nicht nur ein gleichberechtigter Faktor, sondern die notwendige Voraussetzung unserer politischen Bemühungen. (Lebhafter Beifall.) So liegt unsere Politik wie ein offenes Buch vor den Augen der Welt. Geehrter Kongreß! Der Zionismus ist an dem Wendepunkt angelangt, den alle großen Bewegungen zu passieren haben; von der Herrschaft der allgemeinen Begriffe, in welche man die Notwendigkeit des Zieles und den Willen des Volkes zur ersten Orientierung zusammenfaßte,, ging er zu Einzelhandlungen über, die zu diesem Ziele führen. Mit anderen Worten: der Zionismus hat sein Prospektstadium, von dem er gleich anderen Bewegungen ausgegangen ist, verlassen und ist an die Dinge selbst herangetreten. Diese letztere Arbeitsweise entbehrt zwar der Sensation und gibt dem Begeisterungsvermögen weniger Nahrung, aber das ist eben ihr Vorzug. Wir * brauchen neben der Begeisterung Stabilität, eiserne Ausdauer und nie ermüdenden Opfersinn. Wir verlangen einen wahrhaft tiefen, tätigen und intensiven, auf das Wohl des jüdischen Volkes bedachten Geist, der auch in kleinen Dingen große Zukunftsmöglichkeiten erkennt. Gilt es doch Schritt für Schritt in Palästina einen