Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 16)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 9 — In der zweiten Periode sah man schon ein, daß es nicht angehe, immer den gleichen Gedanken tatenlos zu wiederholen, zumal seine Erfüllung sich doch nicht so leicht durchsetzen ließ, wie man wohl ursprünglich gehofft hatte. Man brauchte praktische Maßnahmen zur Beschwichtigung der Ungeduldigen und zur Heranziehung der zahlreichen Kräfte, die ihren Anschluß an die Bewegung hiervon abhängig machten. Man ließ demnach die Palästinaarbeit als notwendige Vorbereitung gelten, als Hilfsmittel, um, wenn das Endziel in greifbarer Nähe sei, keine Zeit verlieren zu müssen. Die dritte Periode ist bereits die Folge einer völligen geistigen Umgestaltung des Ideenkomplexes, der sich unter dem Wort Zionismus verbirgt. Die Palästinaarbeit ist jetzt nicht mehr die Ausführung und auch nicht mehr ein Hilfsmittel der politischen Arbeit, sondern sie erlangt Gleichberechtigung. Politische Arbeit und praktische Palästinaarbeit greifen jetzt ineinander. Die praktische Arbeit wird zum Ausdruck und zu einem integralen Teil der Politik. (Lebhafter Beifall.) Aus den Erfahrungen der Jahre krystallisiert sich ein Arbeitssystem heraus, das sowohl politische wie praktische Elemente vereinigt. Es besteht darin, das jüdische Volksleben in Palästina möglichst zu kräftigen und zu organisieren, den jüdischen Einfluß zu erweitern und das .jüdische Prestige zu heben, um so eine möglichst starke wirtschaftliche Position in Stadt und Land zu erreichen. (Lebhafter Beifall.) Parallel zu dieser praktischen Arbeit in Palästina sind unsere politischen Bemühungen darauf gerichtet, alle beschränkenden Maßregeln, welche die jüdische Einwanderung hemmen, zu beseitigen und weitgehende Rechte in bezug auf Bodenerwerb und Kolonisation ziu erlangen. (Beifall.) Zu diesem Zweck sind wir bemüht, die öffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise der Türkei von dem friedlichen und kulturfördernden Charakter unserer Bewegung zu überzeugen. Wir können mit Genugtuung feststellen, daß manche Vorurteile, die unsere Arbeit gehemmt haben, einem besseren Verständnis von dem Wert unserer Bestrebungen gewichen sind. Hatte die Türkei doch auch im Laufe der letzten Jahre Gelegenheit genug, die Treue und Loyalität der Juden zu erproben. Wir hegen die Ueberzeugung, daß mit unseren wachsenden Leistungen diese Erkenntnis immer mehr durchdringen und mit der Zeit alle Hemmnisse und Widerstände aus unserem Wege räumen wird. (Lebh. Beifall.) Diese Ueberzeugung stützt sich nicht nur auf das Vorhandensein von Sympathien oder auf einige erreichte Zusagen, sondern vor allem auf die Logik der notwendigen Entwicklung. Die Türkei will leben, will sich erneuern. Aber was ihrem Verjüngungsprozeß Leben und Inhalt gibt, das ist die beschleunigte Aufschließung und Besiedelung des Landes, die Nutzbarmachung der heimischen Bodenkräfte und Hilfsquellen, die Urbarmachung der Oeden, die Heranziehung von « Kapital und Intelligenz. Eben dies sind die Bestrebungen, die unserer Arbeit in Palästina zugrunde liegen. So werden wir durch unser Werk zu der Entwicklung des türkischen Staates bedeutendes beitragen. (Stürmischer Beifall.) Sowohl die bereits erzielten günstigen Resultate unserer Palästinaarbeit, wie auch diejenigen, die wir berechtigt sind, in Zu-