Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 15)
- Language
- German, English, Hebrew
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Noch ein Name darf hier nicht unerwähnt bleiben. Es ist P e r e z S m o 1 e n s k i, ein Meister unserer nationalen Sprache, der hier in Wien in der Vorzeit des Zionismus mit flammender Begeisterung für Palästina eintrat. (Lebh. Beifall.) Welche Freude hätte das Herz dieses Rufers in der Wüste erfüllt, hätte er der soeben beendeten imposanten hebräischen Konferenz hier beiwohnen können; welch ein Gegensatz zwischen damals und jetzt; ehren wir das Andenken dieses Mannes. (Die Versammlung erhebt sich.) Kein Zufall ist es, daß gerade in Wien so viele Keime unserer Bewegung sproßten. Sind wir doch hier in der geistigen und physischen Nähe unserer schwer kämpfenden und hart bedrückten östlichen Volksmassen. Ein jeder muß hier die ganze Tragik der Heimatlosigkeit der Mehrheit unserer Brüder stark empfinden. Die finsteren Schatten des stummen jüdischen Leides, des Dahinsiechens vieler Millionen unserer Brüder unter unerträglicher Bürde senken sich auch auf unseren Kongreß. Aber bei uns erzeugen sie nicht mehr bleierne Schwermut und brütende Verzweiflung, nein, eine treibende, spornende Kraft geht von ihnen aus, denn unter dem Zeichen des Zionismus eröffnen sich uns weite Wege und hohe Ziele. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hochverehrter Kongreß! Die Kongreßperiode, die hinter uns liegt, war die Zeit großer und ernster Ereignisse für das Reich, dessen förderndes Wohlwollen wir für unsere Aufgaben in Palästina in erster Reihe erstreben. Das jüdische Volk, dessen Sympathie für das türkische Staatswesen tief und unerschütterlich bleibt (stürmischer, langanhaltender Beifall), hegt den sehnlichsten Wunsch, daß. die Türkei die jetzige Krise überwinde und als ein machtvolles Staatsgebilde erhalten bleibe, um einer großen kulturellen Erneuerung entgegenzugehen. (jLebhafter, langanhaltender Beifall.) Was wir in Palästina zum Wohle des jüdischen Volkes erstreben, bildet einen wichtigen Teil dieser Neuentwicklung des ottomanischen Reiches. (Lebhafte Zustimmung.) Das Programm, nach welchem wir zu handeln bestrebt sind, das System, auf welches unsere Tätigkeit zur Verwirklichung des Baseler Programmes aufgebaut ist, hat sich im Laufe der Jahre mehr und mehr geklärt. Drei Perioden lassen sich in der Entwicklung unserer Arbeit unterscheiden. In der ersten Periode verhielt sich die Organisation der praktischen Arbeit in Palästina gegenüber ablehnend; man verschloß sich zwar ihrer Notwendigkeit nicht, glaubte aber, sie müsse erst nach Erlangung der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte einsetzen. Diese Ablehnung ist verständlich, wenn man sich erinnert, wie sehr diese Periode unter dem Zeichen der einen großen neuen Idee stand, die nur dann stark genug wirken konnte, wenn sie ohne Beiwerk und Ballast hell und rein wie ein Posaunenstoß durch die Lande tönte. Man kämpfte um das Prinzip, über Einzelheiten aber wollte man nicht diskutieren, man empfand das Eindringen in die Details als etwas Lästiges, allzu Irdisches und Alltägliches gegenüber der erhabenen Idee.