Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 335)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 335 — sind. Wir verlangen also, daß am Sabbath sämtliche zionistischen Institutionen strenge geschlossen sein sollen, und daß der Kongreß ganz ausdrücklich seinen diesbezüglichen Wunsch ausspreche. Es ist wirklich eine Schande: Bei allen Völkern, starken, mächtigen, reichen Völkern, welche ihren Sonntag unserem Sabbath nachgebildet haben, wird dieser von allen Klassen des Volkes respektiert. Nur bei uns Juden nicht. Ich glaube daher, es ist Pflicht auch für die in sozialpolitischer Richtung Fortgeschrittenen, daß wenigstens das Prinzip, daß Sabbath geschlossen sein und daß jeder den Sabbath halten soll, vom Kongresse ausgesprochen werde. (Lebhafte Zwischenrufe.) Uns wäre es also am liebsten, wenn sich der Kongreß, um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, mit der Kulturfrage nicht befassen würde. Sollte aber der Kongreß die Resolutionen annehmen wollen, so werden wir natürlich nicht gegen die Resolutionen sein. (Lebhafter Beifall.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Syrkin als Berichterstatter der Kulturkommission hat das Wort. Del. Dr. Braude: Ich bitte um das Wort! Ich habe mich wiederholt schon gemeldet! Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Dr. Braude, ich kann Ihnen das Wort nicht geben. Ich bitte, Herr Syrkin, zu sprechen. Del. Syrkin (hebräisch): Es ist mir unbegreiflich, wie nach der Einigung in der Kommission, in der sämtliche Richtungen vertreten waren, noch Meinungsverschiedenheiten hier aufkommen können. Die Rabbiner, die doch die berufensten Vertreter der Religion sind, haben sich in der Kommission mit den Vorschlägen einverstanden erklärt. Soll die Frage hier noch einmal angeschnitten werden und zu welchem Zweck? Sie wissen ja alle, daß sich die große Mehrheit zur Erkenntnis durchgerungen hat, daß der Zionismus die Kulturinteressen des Volkes wahrnehmen müsse, ob er es will oder nicht: er muß es, weil er sich bewußt geworden äst,- nicht abseits stehen zu dürfen, wo es sich um eine grundlegende erzieherische Arbeit in Palästina und im Orient handelt. Wir wollen nicht einseitig sein, nichts liegt uns ferner, als die Absicht, nach irgendeiner Richtung „Misrachi" oder „Poale Zion", einen Gewissenszwang auszuüben. Wenn Sie dem Referat Sokolows aufmerksam zugehört haben, so wissen Sie ja, daß es sich hier nicht um religiöse Differenzen und Tüfteleien, sondern um die großen Aufgaben der Volksarbeit und einer lebendigem nationalen Kultur handelt, wo wir alle, ohne Rücksicht auf rituelle Unterschiede, und ohne Zugeständnisse machen zu müssen, in der Wirklichkeit immer einig waren und einig sein müssen. (Großer Beifall.) Ich bitte Sie daher, die Anträge der Kommission anzunehmen. (Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Die Debatte ist geschlossen. Del. Kaplansky: Ich bitte noch ums Wort. Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich kann kein Wort mehr zulassen. (Zwischenruf des Herrn Kaplansky.) Sie wollen erklären, daß Sie gegen die Resolution gestimmt haben. (Del. Kaplansky: Ja!) Bevor wir zu weiteren Anträgen übergehen, habe ich zwei Anträge bezüglich der Abstimmung zu erledigen. Der erste Antrag von Herrn Simon lautet (liest): „Ich beantrage, über die Resolutionen der Kulturkommission ohne Debatte abzustimmen, und zwar über jeden Absatz getrennt." Der zweite Antrag von Herrn Dr. Friedmann lautet (liest): „Ich beantrage, die Resolutionen der Kulturkommission dem A. C. zur Prüfung zu überweisen." Del. Dr. Abrahamsohn (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Ich beantrage im Namen der Föderation Misrachi, namentliche Abstimmung und