Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 333)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 333 — Vizepräsident Dr. Marinorek (unterbrechend): Herr Möller, eine Berichtigung oder einen Antrag, aber keine Rede! Del. Möller (fortfahrend): Sämtliche Redner sind darüber einig gewesen, daß es sich bei Kulturfragen um die vitalsten .... Vizepräsident Dr. Marmorek (unterbrechend): Wo ist Ihr Antrag? Del. Möller (fortfahrend): Ich beantrage, den Antrag der Kulturkommission dem E. A. C. zu überweisen und zwar mit folgender Begründung .... Vizepräsident Dr. Marmorek (unterbrechend): Dieses Vorgehen ist nach der Geschäftsordnung formell berechtigt, aber wenn 12 Redner den gleichen Vorgang beobachten, werden wir heute nicht fertig. Del. Möller (fortfahrend): Ich will meinen Antrag, den Antrag der Kulturkommission dem E. A. C. zu überweisen, in einer Minute begründen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn es sich um die vitalsten Interessen der zionistischen Bewegung handelt, wäre es ein Unrecht, wo die Kulturkommission zwei Tage darüber beraten hat, diesen; Antrag der Kommission ohne Debatte im Plenum anzunehmen. Sie würden dadurch einer großen Minderheit die Möglichkeit nehmen, ihre Ansichten in würdiger Weise zu vertreten. Ich stelle fest, daß die Erklärung des Herrn Dr. Thon, dab sämtliche Fraktionen und Richtungen sich darüber einig sind, daß sie die Kulturarbeit begrüßen, objektiv tinrichtig ist, da die Vertreter der Misrachi,- fraktion gegen den Antrag gesprochen haben. Rabbiner Reines (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt, spricht im Jargon): Ehe ich Misrachi war, dachte ich, der Zionismus kann alle Richtungen vereinigen. Nun sehe ich, die Kulturarbeit spaltet das Volk. (Der Redner appelliert an die Misrachisten, der Organisation treu zu bleiben. Andererseits ersucht er aber um die Ausschaltung der Kulturfrage, da sie die innere Einheit stören müsse.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Das Wort hat Herr Dr. Hey mann zur Geschäftsordnung. Del. Dr. Heymann: Ich stelle den Antrag auf Schluß der Debatte ohne Anhörung weiterer Redner. Vizepräsident Dr. Marmorek: Natürlich mit Ausnahme der zu tatsächlichen Berichtigungen bereits vorgemerkten Redner, der Herren Dr. Tschlenow und Rabinowitsch? Del. Dr. Heymann: Die nehme ich aus. (Rufe: Und Berichterstatter S y r k i n!) Vizepräsident Dr. Marmorek: Selbstverständlich! (Del. Braude: Ich bitte um das Wort!) Diejenigen Herren, welche für Schluß der Debatte sind ohne Anhörung weiterer Redner, mit Ausnahme der Herren Dr. Tschlenow, Rabinowitsch und S y r k i n , wollen die Hand erheben. (Geschieht.) Schluß der Debatte ist angenommen. Ich erteile nunmehr Herrn Dr. Tschlenow zu einer tatsächlichen Berichtigung das Wort. Del. Dr. Tschlenow: Geehrter Kongreß! „En kol chadasch thachath haschemesch." Auch die Anträge, die Ihnen heute vorgeschlagen worden sind, siend keine Neuigkeit. Ich habe in meinen Händen das Protokoll des zweiten Kongresses und werde Ihnen aus diesem Protokolle folgende Stellen verlesen. Ich bitte Mm Ihre Aufmerksamkeit (liest): „Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes und befindet sich hierbei auf dem Boden der modernen Kultur, an deren Errungenschaften er festhält. Der Zionismus unternimmt nichts, was dem Religionsgesetze des Judentums widerspricht.