Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 315 — Del. Dr. Pasmanik: Als Mitglied der Kommission muß ich erklären ... Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr M o t z k i n hat sich schon als Referent geäußert. Del. Dr. Pasmanik: Er hat aber nicht erklärt, warum wir diesen Antrag ablehnen. Vizepräsident Dr. Marmorek: Also ich bitte, Herr Dr. Pasmanik. Del. Dr. Pasmanik: Meine Damen und Herren! Wir haben das abgelehnt, weil die Schaffung eines Emigrationsamtes Geld erfordert. Man kann nicht etwas annehmen, ohne daran zu denken, aus welchen Mitteln man es decken wird. Es hat keinen Sinn, wenn man etwas annimmt und dann nicht ausführen kann. Deshalb sind wir für die Ablehnung dieses Antrages. Del. Trietsch: Ich bitte um das Wort. Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Trietsch, ich kann eine Debatte darüber nicht zulassen. Sie haben Ihre Ansicht geäußert, Herr Dr. Pasmanik hat die Ansicht der Kommission ausgeführt, die Sache ist damit geklärt. Diejenigen Herren, welche dafür sind, daß der Antrag Trietsch en bloc angenommen werde, bitte ich die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte zu zählen. (Nach einer Pause.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause.) Der Antrag ist abgelehnt. Wir schreiten jetzt zur Diskussion über das Budget. Ich bitte die strengste Ruhe einzuhalten. Als erster Redner ist eingetragen Herr David Kohn. Ich erteile ihm das Wort. Del. David Kohn: Hoher Kongreß! Wir befinden uns in einer sonderbaren Lage. Jedes Parlament, das ein Budget beschließt, weiß, welcher Leitung es eigentlich dieses Budget bewilligt. Wir befinden uns in der Situation, nicht zu wissen, wem wir eigentlich das Budget bewilligen. Wenn es sich um unsern bisherigen Führer, den würdigsten Nachfolger, den H e r z I finden konnte, handeln würde, würde ich ohne Schwanken, da ich seine kaufmännischen Fähigkeiten kenne, da ich weiß, daß die präliminierten Beträge auch ihrem Zwecke zugeführt werden, das Budget bewilligen. So kann ich nur in dem Falle für das Budget stimmen, wenn uns unser allverehrter bisheriger Führer Wolffsohn die Annahme dieses Budget empfiehlt. Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Rabinersohn hat das Wort. (Nach einer Pause.) Derselbe ist nicht da und verliert somit das Recht zu sprechen. Herr Dr. Becker hat das Wort. Del. Dr. Becker: Geehrter Kongreß! (Lebhafte Unruhe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte um Ruhe. Herr Dr. Becker, warten wir. (Nach einer Pause.) Del. Dr. Becker: Geehrter Kongreß! Es kann selbstverständlich nicht die Absicht eines Redners zum Budget sein, dieses Budget, das wjr eben zu Gesicht bekommen haben, ernsthaft zu kritisieren. Das wäre ein etwas eigenartiges Vermessen. Ich will nur bemerken, daß ich mich zum Worte gemeldet habe, nicht um dieses Budget zu kritisieren, das ich noch gar nicht kannte, als ich mich zum Worte meldete, sondern um über die Finanzausschußanträge, die uns, wie ich glaubte, vorgelegt werden würden, einiges zu sagen. Nun sehe ich in dem uns vorgelegten Budget unter „Einnahmen" aufgestellt: Schekel und Jahresbeiträge. Ferner sehe ich verschiedene Posten des Nationalfonds eingestellt. Ich muß also annehmen, daß der Finanzausschuß entsprechende Beschlüsse gefaßt hat, die uns noch irgendwie zur Genehmigung wrerden vorgelegt werden. Obwohl ich nun bereits am 8. und auch am 9. Kongreß für den Antrag eingetreten bin, den dann unser Präsident Wolffsohn, wenn ich nicht