Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 314)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 314 — Del. Rosenfeld (spricht französisch): Die Auswanderungsfrage ist bereits sowohl vom prinzipiellen wie vom praktischen Punkte eingehend von den Vorrednern besprochen worden. Ich möchte nun noch einen Punkt hinzufügen, der zu den Begleiterscheinungen des Auswanderungselends gehört. Ich möchte die Aufmerksamkeit des hohen Kongresses auf die Plage des Mädchenhandels lenken. Es ist dies ein allgemeiner Krebsschaden, der an den Wurzeln unserer modernen Kultur nagt, es ist dies ein Verbrechen, an dem sich unwürdige Vertreter verschiedener Nationalitäten beteiligen, aber uns schmerzt es ganz besonders, wenn von Zeit zu Zeit Ereignisse an den Tag treten, die es uns klar machen, daß auch verräterische Elemente unseres Stammes dieses Uebel fördern und daß wir auch eine große Masse von Opfern diesem Uebel bringen. Selbstverständlich ist es nicht Sache dieses Kongresses, auf einem Gebiet, welches mit seinem Programm nichts gemeinschaftlich hat, Maßnahmen praktischer Natur zu treffen; nichtsdestoweniger erachte ich es für wichtig, daß von dieser Tribüne aus ein Ruf (der Anregung und der Aufforderung ergehe, den Kampf gegen diese Plage wacker fortzusetzen. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Nun schreiten wir zur Abstimmung über die Resolution des Emigrationsausschusses und außerdem über den Antrag T r i e t s c h. Del. Trietsch: Vielleicht kann der Kongreß bezüglich der Priorität befragt werden? Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Trietsch, es ist meine Pflicht, den Kongreß zu befragen und ich werde es tun. Herr Trietsch beantragt für seinen Antrag die Priorität. (Rufe: Nein.) Es gibt kein Nein. Sie werden sofort entscheiden. Wir werden prinzipiell darüber abstimmen, ob der Antrag Trietsch oder der Antrag der Emigrationskommission zuerst zur Abstimmung gelangt. Diejenigen die für die Priorität des Antrages Trietsch sind, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Dieser prinzipielle Antrag der Priorität des Antrages Trietsch ist abgelehnt. Somit schreiten wir zur Abstimmung über den Antrag M o t z k i n. Diejenigen, die dafür sind, daß diese Resolution angenommen werde, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jetzt schreiten wir zur Abstimmung über den Antrag Trietsch. Del. Trietsch: Um ein Mißverständnis zu vermeiden, möchte ich nur haben, daß erklärt wird, dieser zweite Antrag steht nicht im Gegensatz zum ersten und kann sehr wohl (außerdem abgestimmt werden. Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich werde den Antrag Trietsch nochmals verlesen, damit der Kongreß genau weiß, - worüber er abstimmen soll. Herr Trietsch wünscht zu erklären — die Erklärung gebe ich hiermit ab — daß sein Antrag nicht im Gegensatz zu dem eben beschlossenen Antrage M o t z k i n steht. Der Antrag Trietsch lautet (liest): „Der Kongreß beschließt die Schaffung eines zionistischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in Berlin und mit folgenden Zwecken: 1. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästina und anderen (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des osmanischen Reiches. 2. Verbreitung dieser Informationen. 3. Realisierung (resp. Beihilfe zur Realisierung) der gefundenen Möglichkeiten."