Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 300)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 300 — existiert ein Usus in dieser Art, wie wir beschließen wollen, wie er niemals umgangen wird. (Widerspruch.) Sie werden mich nicht belehren über parlamentarische Verhältnisse! (Rute: Sie stammen aus Rußland!) Nein, ich stamme aus Deutschland und weiß aus den deutschen Parlamenten, ebenso wie von den österreichischen, und von der englischen und französischen Kammer, /daß in allen diesen Parlamenten..... (Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bitte doch, die Zwischenrufe zu unterlassen. Dadurch kommen wir nicht vorwärts. Durch Zwischenrufe werden Sie den Redner nicht belehren. Del. Dr. Becker (fortfahrend): Ich wollte Ihnen sagen, daß in allen diesen Parlamenten, vielleicht da und dort mit einer Ausnahme, absolut der Usus besteht, daß die Redner in der Reihenfolge der Stärke der Fraktionen zum Worte kommen. Es besteht sogar ein noch viel weitergehender Usus in diesen Parlamenten. Es kommen bei allen nicht ganz großen Materien die Redner der kleinen Fraktionen überhaupt nicht zum Wort. (Lebhafte Zustimmung. — Widerspruch.) Ich schlage diesen Modus bei uns nicht vor. Bei uns soll jeder Redner aus den Fraktionen vund Landsmannschaften zu Worte kommen; aber es ist unmöglich, daß wir eine Geschäftsordnung beibehalten, wie sie jetzt besteht. (Widerspruch und Lärm. — Vizepräsident Dr. Bodenheimer ersucht um Ruhe.) Es ist jetzt der sechste Kongreß, an dem ich als Journalist oder Delegierter anwesend bin und ich höre bei jeder wichtigen Frage, daß sich 70, 80, 100 und sogar 120 Redner zum Worte melden. Begreifen Sie nicht, daß wir uns damit zum Gespötte der ganzen Welt machen? (Beifall. — Widerspruch.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ihre Zeit ist um! Del. Dr. Becker: Ich bin sofort fertig. Ich behaupte vor allem, daß wir uns dadurch mit Recht lächerlich machen. In den verschiedenen Landsmannschaften und Fraktionen kommen alle möglichen Richtungen zum Worte. Wir haben südafrikanische, englische, amerikanische russische, deutsche und weiß Gott was noch für Landsmannschaften. Da sind alle Richtungen vertreten. Wenn von jeder Landsmannschaft nur ein Vertreter oder wenn nur 10 Landsmannschaften zum Worte kommen, ist für eine ausreichende Vertretung aller Meinungen gesorgt. Ich bitte dringend, gerade im Interesse der Würde des Kongresses, der es nicht entspricht, daß sich immer 80 Redner zum Worte melden, diesen Paragraphen anzunehmen. (Beifall. — Widerspruch.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das Wort hat Herr Dr. Rosenfeld. Del Dr. M. Rosenfeld: Ich beantrage gleichfalls die Streichung dieses Paragraphen. Sollte sich wider Erwarten ergeben, daß der Kongreß nicht dafür zu haben ist, so beantrage ich die Streichung der Worte: „Nach der Reihenfolge der Stärke derselben." Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das Wort hat Herr Dr. Kahan. Del. Dr. Nison Kahan: Ich erachte § 18 der Geschäftsordnung für ganz richtig. Bisher war die Reihenfolge einfach von der Geschicklichkeit des Delegierten bei der Anmeldung abhängig. Wenn eine Reihe von Rednern vorgemerkt war und Schluß der Debatte beantragt wurde, sind die übrigen Herren nicht mehr zum Worte gekommen, so daß die bedeutendsten Landsmannschaften oft keine Möglichkeit hatten, Ihre Meinung hier im Kongresse zum Ausdrucke zu bringen. Trotzdem möchte ich, da die vorgeschlagene Fassung eine Gefahr für die kleinen Landsmannschaften bedeutet, denn sie verhindert nicht, daß nach Anhörung etwa der