Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 289)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 289 — Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Co wen, dann werden wir vormittag nicht mehr zur Abstimmung kommen. (Rufe: Doch!) Meine geehrten Herren! Nach einer so aufgeregten Debatte hat das Präsidium, glaube ich, doch das Recht, die hier eingelaufenen Anträge erst zu sichten (Del. Dr. Friede mann und andere Delegierte: O nein!) Herr Dr. Friedemaiin, ich habe schon öfter bemerkt, daß ich ganz genau weiß, was ich geschäftsordnungsmäßig zu tun habe. Das Präsidium hat das Recht, die Anträge darauf hin zu prüfen, welches der weitestgehende ist, oder ob ein Antrag vorliegt, der einen anderen Antrag in sich schließt. Sonst kommen wir zu keiner ordnungsgemäßen Abstimmung. Ich werde, da die Rednerliste noch lange nicht beendigt ist, erst die Redner alle sprechen und dann eine Pause von 1 Stunde eintreten lassen. Wir fahren jetzt in der Debatte fort. Del. Dr. Marmorek: Ich verlange das Wort zur Geschäftsordnung! Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Marmorek, Sie haben ebenso die Pflicht, wie jeder andere Delegierte, auf das Präsidium zu hören. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Laute Zwischenrufe.) Umsonst ist nicht hier auf Ihr Beispiel exemplifiziert worden, weil man weiß, Herr Dr. Marmorek, daß Sie ein guter, treuer Zionist sind. Del. Dr. Marmorek: Das hat damit nichts zu tun! (Zahlreiche Zwischenrufe. — Lärm.) Ich bitte zur Geschäftsordnung! Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Nein, Herr Dr. Marmorek! DeL Dr. Marmorek: Ich protestiere gegen dieses Vorgehen des Präsidenten! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Marmorek, Sie haben kein Recht zu protestieren; ich rufe Sie zur Ordnung! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Stürmischer Widerspruch.) Ruhe! Ruhe! Lassen Sie mich reden! (Rufe: Geben Sie dem Dr. Marmorek das Wort! — Anhaltender Lärm.) Die Geschäftsordnung wahrt der Präsident! Sehen Sie die Geschäftsordnung nach, die wir jetzt haben. Sie ist schlecht, aber das Recht gewährt sie dem Präsidenten, die Geschäftsordnung des Kongresses wahrzunehmen, und wenn der Präsident nicht will, dann hat er nicht die Pflicht, zur Geschäftsordnung das Wort zu geben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Lauter Widerspruch. — Großer Lärm.) Ruhe! Ruhe! Ich kenne die Geschäftsordnung! (Zahlreiche Rufe: Nein!) Ruhe! Ruhe! Ruhe! Ich lasse mich nicht durch einzelne Delegierte terrorisieren. Ich bin noch stark genug, um derjenigen Herr zu werden, die den Kongreß stören wollen. (Rufe: Wer ist das? — Lärm.) Ruhe! Nach § 5 der Geschäftsordnung ist, wenn ein Antrag zur Geschäftsordnung gestellt wurde, lediglich einem Redner pro und einem Redner contra das Wort zu geben. Liegt kein Antrag zur Geschäftsordnung vor, hat der Präsident die freie Gewalt, das Wort zu erteilen oder zu versagen. Jetzt erteile ich Herrn Dr. Marmorek das Wort zur Geschäftsordnung. Del. Dr. Marmorek (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Hoher Kongreß! Es ist mir zum erstenmal in meinem Leben passiert, daß ich eine so schwere Beleidigung erdulden muß. Ich nehme sie an, weil ich dem Präsidenten des Zionistenkongresses Gehorsam zu leisten verpflichtet bin. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber, Herr Präsident, Sie gestatten mir eine Bemerkung, daß Sie nach meiner Meinung im Unrecht waren. Bevor Sie dem Dr. xMarguIiess das Wort gegeben haben, verlangte ich das Wort zur Geschäftsordnung. Sie wußten nicht, wozu ich sprechen werde. Sie haben mir das Wort nicht gegeben und haben mich in die unangenehme Lage versetzt, einen 19