Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 278)
- Language
- German, English, Hebrew
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— '278 — Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Das Wort hat Herr Dr. Marino r e k. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Del. Dr. Marmorek: Ich habe nur drei Minuten Zeit! Ich werde Ihnen sagen, was uns bewegt. Es ist der reaktionärste Vorschlags den ich je auf einem Kongresse überhaupt gehört habe. Er geht darauf hinaus, uns kleine Landsmannschaften auf dem Kongresse unmöglich zu machen. (Lebhafter Beifall.) Wir sind hier, um ein natürliches, gesundes Gegengewicht gegen die Aspirationen der großen Landsmannschaften auszuüben. Wir wollen unser Recht. Wir lassen uns dieses unser Recht nicht nehmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn es überhaupt eines Beweises bedurft hätte, daß wir diese ganze Rumpelkammer von veralteten Bestimmungen mit einem Fußtritte hinausschmeißen müssen, so war es diese Debatte. Wir werden auch den Permanenzausschuß unmöglich machen, er gehört nicht hierher. Man wagt zu beantragen, daß die kleinen Landsmannschaften ohne Rechte als Delegierte zweiter Klasse hier sitzen sollen. (Lebhafter Beifall. — Del. Dr. H e y m a n n: Wer beantragt das?) Sie beantragen es, Herr Dr. Heymann. Das ist einer der Gründe, weshalb Sie es ermöglichen wollen, daß wir uns nach Gesinnungen zu Fraktionen sollen vereinigen können. Aber wenn Sie dieses Landsmannschaftsprinzip zertrümmern, so erkläre ich, wenn Sie uns nicht unser Recht geben werden, wir uns zu wehren wissen werden. Sie sehen doch, daß alle kleinen Landsmannschaften sich wie ein Mann gegen Sie erheben! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wenn Sie uns das Recht nehmen werden, hier als vollgewichtige und vollberechtigte Mitglieder zu sitzen und zu urteilen, weil wir gleiche Rechte und nicht bloß gleiche Pflichten haben wollen, wie Sie es wollen, so gebe ich Ihnen folgendes Versprechen ab: Der nächste Kongreß beginnt mit einer Geschäftsordnungsdebatte und wir werden die Geschäftsordnung, die Dr. Bodenheimer als das Wichtigste unseres ganzen Kongresses hingestellt hat und die man in ungehöriger Weise durchgepeitscht hat, umstürzen. (Del. Dr. H e y m a n n: Das ist mit der Obstruktion gedroht!) Herr Dr. H e y m a n n , ich drohe, weil wir uns nicht treten lassen wollen. Ich protestiere hier nochmals dagegen, diese Geschäftsordnungsdebatte als eine formale Sache zu betrachten. Es betrifft den Lebensnerv unserer Bewegung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen nicht, daß die Russen und die anderen großen Landmannschaften uns total majorisieren. (Stürmischer Beifall. — Ruf: Wir sind ja die Majorität!) Da die drei Minuten noch nicht um sind, sage ich Ihnen . . . Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, daß sie bald um sein werden. Del. Dr. Marmorek: . . . daß wir auch nach Schluß des Kongresses Schritte unternehmen werden, wenn Sie uns dazu zwingen, die kleinen Landsmannschaften zu einem erbitterten Kampfe gegen Sie aufzurufen. Meine Herren! Sie haben das Schicksal der kleinen Landsmannschaften in Ihrer Hand. Ich glaube, daß diese oft bewiesen haben, daß sie durch ihre Qualität Ihre Quantität aufwiegen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Stürmischer Widerspruch. — Rufe: Das ist eine Beleidigung, die wir uns nicht gefallen lassen! Wir protestieren! — Großer, langandauernder Lärm.) Protestieren kann nur derjenige, der sich getroffen fühlt. (Ruf: Wer beleidigt ist, kann protestieren! — Andauernder großer Lärm.) Vizepräsident* Dr. Bodenheimer: Ich bitte um Ruhe! Ich mache Sie darauf aufmerksam, Herr Dr. Marmorek, daß Sie kein Recht haben, irgendein Mitglied dieses Kongresses über das andere zu stellen und das andere zu beleidigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Aeußerung, die Sie eben getan haben, ist für die Mitglieder der großen Landsmannschaften verletzend und ich bitte Sie, sie zurückzunehmen.