Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 251)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 251 — sie wiederholt einberufen wurde, sich aber niemals konstituieren konnte, weil bis auf zwei, drei Herren niemand gekommen ist. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich bin auch an der Organisation beteiligt und war Vorsitzender der Organisationskommission. Ich bin bei mehreren Sitzungen erschienen, aber es sind nur einzelne Herren gekommen. Außerdem ist hier ex präsidio mitgeteilt worden, daß die Mitglieder der Kommission, die aus irgendeinem Grunde, weil sie in anderen■ Kommissionen zugleich sitzen, nicht in der Lage seien, an den Sitzungen der Organisationskommission teilzunehmen, ihre Abänderungsvorschläge einreichen möchten und diese Fragen mit dem Referenten Herrn Dr. Margulies oder mit mir als dem Vorsitzenden der Organisationskommission besprechen möchten. Es haben sich auch hierfür nur ganz wenige Herren gemeldet, mit denen wir die Fragen besprochen haben. Dr. Marmorek (zur Geschäftsordnung — mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Verehrter Kongreß! Ich habe mich zum Worte gemeldet, um im Namen der kleinen Landsmannschaften dagegen zu protestieren, daß man uns unsere Lebensbedingungen abschneidet, wenn man dieses Organisationsstatut en bloc annehmen würde, ohne zu diskutieren. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Große Unruhe.) Wir kleinen Landsmannschaften, d. h. in den Ländern mit wenigen Zionisten, verdienen mit viel mehr Recht eine Berücksichtigung, wie Sie in den großen . . . (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen — Unruhe.) Die Arbeit ist dort viel schwerer. Wir arbeiten auf einem sterilen Boden, und es ist Ihre Pflicht, die kleinen Landsmannschaften eher zu schützen als die großen. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich werde es mit allen möglichen Mitteln verhindern, daß man uns das Leben abschneidet. Wir müssen auch die kleinen Landsmannschaften arbeiten lassen, und ich glaube kaum, daß jemand Widerspruch dagegen erheben wird, daß ich mit meinen Mitdelegierten aus Frankreich mindestens soviel Berechtigung habe, hier zu reden, wie Sie in den großen Landsmannschaften. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen — große Unruhe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Zur Sache! Dr. Marmorek: Ich spreche zur Sache. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Sie sprechen zur Sache, aber zu einer anderen Sache. (Heiterkeit und großer Lärm.) Sie sprechen zur Geschäftsordnung und nicht zur Frage des Organisationsstatuts. Del, Fischer: Das hängt zusammen. Vizepräsident Dr. Bodenheimer (zu Del. Fischer): Ich bitte auch die Partei Marmorek um Ruhe. (Heiterkeit.) Dr. Marmorek: Unsere Partei ist größer als Sie glauben. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen — großer Lärm.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Lassen Sie uns zum Ernst der Situation zurückkehren. Es ist selbstverständlich, daß wir jetzt die Enbloc-Annahme nur bezüglich des Organisationsstatuts vornehmen. Die Frage der Geschäftsordnung muß nicht unbedingt auf diesem Kongreß erledigt werden, weil Sie auf diesem Kongresse vielleicht noch keine Bedeutung hat. Es wird sich aber auch nach dieser Richtung der Boden einer Verständigung finden, wenn wir für die Geschäftsordnung eine kleine Kommission wählen, weil die kleinen Landsmannschaften vielleicht bei der Geschäftsordnung benachteiligt sind. Ich glaube, damit können sich die Herren von den kleinen Landsmannschaften beruhigen. Wer das Statut vorher gelesen hat, weiß genau, daß darin die Interessen aller beteiligten Landsmannschaften abgewogen sind. (Unruhe.) Wir werden über diese Frage durch Abstimmung entscheiden müssen.