Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 240)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 240 — geben hat, die wir für unsere oft mühsame Kleinarbeit nötig hatten. Wir wissen, daß wir mit diesem Gedanken eigentlich erst das Fundament der Herrschaft derjenigen angegriffen haben, welche leider heute noch immer in der öffentlichen Welt das Judentum repräsentieren. In der nichtzionistischen, jüdischen Welt herrscht heute das Notablentum. Es herrschen in allen nichtzionistischen Angelegenheiten die jüdischen Notabein, und zwar nicht die geistigen Notabein, sondern die wirtschaftlichen Notabein. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wohin das Notabeinwesen führt, wissen wir alle, wenn wir daran denken, daß es vorkommen kann, daß ein einzelner Notable die übrigen Juden seiner Gemeinde zwingen kann, eines der heiligsten jüdischen Gesetze, das Gesetz der Gastfreundschaft innerhalb der Judenschaft zu verletzen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn wir wissen wollen, wohin uns das Notabeinwesen führt, müssen wir nur an die anderen jüdischen Organisationen denken, müssen wir daran denken, daß die Stiftung eines der größten jüdischen Männer von wenigen in einem dem jüdischen Geist direkt widersprechenden Geiste verwaltet wird. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber, hoher Kongreß, wenn wir im Judentum das Notabeinwesen als herrschend finden, so liegt das nicht an der Böswilligkeit einiger weniger Leute, wenn diese Charakteristik vielleicht auch manchmal auf einen einzelnen zutreffen kann, der gerade diese Wirtschaft repräsentiert. Wir haben es hier mit einem soziologischen Gesetze zu tun, und darum müssen auch wir uns hüten, daß etwa auch unsere Organisation sowie die ja ursprünglich ganz demokratisch1 aufgebaute Alliance den demokratischen Gedanken verwässert, und müssen trachten, diesem in alle jüdischen Organisationen sich1 einschleichenden Gedanken des Notabelntums wo immer energisch entgegenzutreten. (Beifall.) Das, hoher Kongreß, war der Gesichtspunkt, den wir auf das aliergenaueste und allerstrengste im Auge behalten haben. Wir glauben, daß wir diesem demokratischen Gedanken auch dadurch Ausdruck geben müssen, daß wir die Verantwortung für die Geschehnisse des Zionismus auf möglichst breite Schultern legen, weil nur die Verantwortung auch das Interesse in dem entsprechenden Maße erhöht. Wer für die Geschehnisse einer Bewegung keine Verantwortung trägt, wer ganz passiv dem gegenübersteht, was in der Bewegung vor sich geht, bei dem muß das Interesse erlahmen, weil er sich nicht aktiv daran beteiligen kann. Wenn wir den einzelnen zur Passivität zwingen, wenn wir ganze Gruppen zur Passivität zwingen, dann darf es uns nicht wundern, wenn die Resultate der Arbeit dieser Leute ebenfalls passiv sind. Von diesen Gedanken ausgehend, haben wir auf jene Organisationsform zurückgegriffen, welche,die Zionisten gefunden haben, die sich auf dem ersten Kongreß hier zusammenfanden. Wir