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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 230

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 230 (sequence 230)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 230 — Frauen; denn bei Frauen kann man nicht mit abgezogenen Begriffen, mit theoretischen Begründungen und Gedanken arbeiten, sondern mit dem lebendigen Leben. Dieser Einwirkung aber widersteht auf die Dauer kein weibliches Gemüt. Meine Damen! Das ist, was ich unter Verinnerlichung des Zionismus verstehe. „Charite bien ordonnee commence par soi meine" — sagt der Franzose. Wollen wir für das Ganze wirken, {so fangen wir mit der Erziehungsarbeit bei uns an. Machen wir selbst Kidusch. Sie werden sehen, wie gut das schmeckt. (Beifall.) Meine Damen! Noch1 einen zweiten Punkt des Programms möchte ich Ihnen ans Herz legen. Hier stehe ich wieder — wie immer, wenn es ernst wird — bei unserem Herzl. Herzl hat die Parole ausgegeben: Gehet und erobert die Gemeinden! Gegangen] sind wir ja, erobert haben wir noch wenig. Ich glaube, meine Damen, hier haben wir ein Stück Arbeit zu tun, das uns die Herren nicht abnehmen können, denn gar manches, was den Herren nicht zugängHch ist, wird uns leicht gemacht — selbst von unsern Gegnern. Es wird Ihnen bekannt sein, daß Kaiser Napoleon sich mit dem Gedanken trug, das Wort „impossible" aus dem französischen Wortschatze auszumerzen. Wir Frauen haben es geschickter angefangen. Wir haben das Wort gar nicht erst in unseren Wortschatz aufgenommen (Heiterkeit.) Das könnte mir mancher von Ihnen, meine Herren, bestätigen — wenn er dürfte. (Schallende Heiterkeit.) Es ist z. B. Tatsache, daß man da, wo man den männlichen Truppen das Gemeindelokal und eine ganze Menge anderer Mittel rundweg abschlägt, sie uns mit mehr oder weniger Liebenswürdigkeit geliefert werden. Ich habe mit dieser Tatsache immer gerechnet und bin nie zu kurz gekommen. Meine Damen! Das Gemeindeleben, das Frauengemeinde- Ieben existiert in den meisten Orten. Es gibt überall „Chewroth Bikur Chblim", „Malbisch Arumim", „Hachnasath Kallan" usw. Wir Zionistinnen haben in dieser Hinsicht große Diskretion geübt. Entweder sind wir ihnen nicht beigetreten, oder wir sind ihnen sehr privatim beigetreten. Ich halte das für einen taktischen Fehler, denn Bescheidenheit und Diskretion sind große persönliche Vorzüge, für das nationale Leben aber bedeuten sie aber einen großen Schaden. Im Namen einer Nation soll man nicht diskret und nicht bescheiden sein. Ueberall da, wo wir irgendwelche jüdische Frauenvereine haben, müssen wir ihnen beitreten, und wir müssen die Zügel aus den schlaffen Händen in die unseren bekommen. Es wird uns das nicht sehr schwer werden, denn wir sind ja das bejahende Prinzip und die anderen sind das verschlafene Prinzip, und das Leben ist stärker als der Tod. Meine Damen und Herren! Ich glaube an den Enderfolg des Zionismus, wie ich an das Leben glaube. Aber nur in der Voraussetzung, daß wir Frauen mittun. Und es ist die höchste Zeit, daß

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