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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 231

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 231 (sequence 231)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 231 — wir anfangen. Und zwar mit dem Anfang — nämlich mit dem Erlernen unserer Hebräischen Muttersprache, wie es jeder gesunde Sprosse eines gesunden Stammes tut. Wir haben uns eingeredet, daß wir keine Zeit dazu haben, daß es zu schwer ist. Meine Damen! Seit wann haben jüdische Mädchen eine solche Scheu vor dem Lernen? Ich verlange auch nicht, daß jede von uns hebräische Reden Halten soll (Heiterkeit), aber, meine Damen, verstehen müssen wir hebräisch, denn wenn wir es nicht verstehen, so bleibt uns ein ganz bedeutender Teil der jüdischen Arbeit und der jüdischen Psyche fern. Uns ist die Heimat zur Fremde geworden. Wir müssen sie uns wieder erringen: durch das jüdische Haus, durch die jüdische Erziehung und die jüdische Sprache. Man kann nicht von jedem verlangen, daß er sein Kind in das Cheder schicke. Was ich als eine Forderung aufstellen muß, als eine conditio sine qua non, wenn man uns ernst nehmen soll, ist, daß jedes jüdische Kind einen Teil seiner Lehrzeit auf das Jüdische verwende und daß die Mutter mitlerne. Es ist ihre Pflicht und es ist eine Lebensbedingung für die ganze nationale Bewegung, wie für das Judentum überhaupt. (Beifall und Händeklatschen.) Meine Damen! Unser Programm durchzuführen ist nicht leicht, und dennoch ist es nur ein Mindestprogramm. Wir haben zweierlei Arbeit zu leisten: Die Arbeit in der Diaspora und die Arbeit in Palästina. Ich werde mein gutes Frauenrecht üben und unlogisch verfahren: Die Palästinaarbeit macht mir keine übermäßigen Sorgen, weil wir in dem im Haag geschaffenen Kulturverbande einen prächtigen Rahmen für Palästinaarbeit haben. Unser Kulturverband hat sich trefflich bewährt. Es fehlen uns nur noch die Mittel, ihn auszubauen, zu erweitern und ihn instand zu setzen, großzügige Arbeit zu leisten. Weit schwieriger, meine Damen, ist die Diasporaarbeit, denn hier gilt es, große Opfer an Zeit und Kraft zu bringen. Und die Pflicht der Selbsterziehung läßt sich nicht, wie der Schekel, durch andere erfüllen. Hier gilt kein Kaporesschlagen und kein Loskaufen — selbst nicht durch den eigenen Mann. Mag er noch so hervorragende Eigenschaften in den Dienst der Sache stellen, wir arbeiten nicht mit denselben Mitteln, nicht nach innen und nicht nach außen. Und deshalb muß jede Frau ihren eigenen Platz behaupten. Diese Arbeit, meine Damen, für die wir nunmehr ein Programm haben, wird uns in der ersten Zeit vielleicht sauer genug werden, aber das sind „Jissurim schel ahawa", Liebesschmerzen, die in Liebe getragen werden müssen. Und hier winkt auch der herrlichste Lohn: Die Gewinnung kommender Geschlechter für unsere höchsten Ideale und die Wiedergewinnung unseres eigenen edleren Selbst. Unsere Forderungen enthälten nichts, was über die menschliche Kraft geht, aber das sind yissurim schel, denn schon haben wir hier begeisterte Frauenstimmen gehört, die zu diesem Programme nicht nur „Amen" sagen, sondern auch selber „Broche" machen wollen.

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