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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 225

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 225 (sequence 225)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 225 — getan, um uns leistungsfähig zu machen? Unser verehrter Herr Präsident hat in seiner Eröffnungsrede gesagt, daß man „die Pflichten der Frauen nicht genau umschrieben" hat. Nicht weil unsere Pflichten nicht genau umschrieben waren, sondern weil sie überhaupt nicht erkannt wurden, haben wir sie nicht erfüllt. Was sind denn die Pflichten der Frau in unserer nationalen Bewegung? Hat sie überhaupt besondere Pflichten? das wird von mancher Seite beharrlich geleugnet. Es ist eine schöne, alt-jüdische Sitte, daß der Mann laut Kidusch macht und die Frau ihr leises, inniges „Amen" dazu sagt, es ist dies ein bedeutsames Sinnbild unseres lieblichen, harmonischen Familienlebens. Vorausgesetzt, meine verehrten Damen, daß S i e den sabbatlichen Tisch vorbereitet, hergerichtet haben; vorausgesetzt, daß Sie den zu heiligenden Wein mitbesorgt, wenn nicht gar mitverdient haben. Sonst ist man nicht „Jauze". Da kann der Mann sechsmal Kidusch machen, Sie sind nicht „Jauze"! (Lebhafte Heiterkeit, Beifall und Händeklatschen.) Durch rüstiges Mühen und Schaffen pflegte die jüdische Frau sich für den sinnigen, poesiereichen Akt des „Lichtbenschen" vorzubereiten, mit Recht! Denn Priesterin des LiChts und des heiligen häuslichen Friedens wird man nicht durch Lippendienst, durch „Brochemachen" allein . . . Nun ist allerdings die Frage, wie soll die Frau diesen sabbatlichen Tisch herrichten, wo kein Sabbat mehr ist? Darauf sage ich Ihnen: es ist unsere Schuld und unsere Strafe zugleich — wenn wir keinen Sabbat mehr haben. Diesen nie versiegenden Quell jüdischer Poesie und jüdischer Liebe hätten wir Frauen unserem Volke erhalten sollen, und wir alleine können ihn uns zurückgewinnen. Selbstverständlich hat Herzl keinen Gewissenszwang auszuüben gemeint, wenn er sagte: der Zionismus ist die Wiederkehr zum Judentume vor der Wiederkehr in das Judenland. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich füge hinzu: Die Wiederkehr zum Judentume ist uns allen gegeben und geboten, die Wiederkehr ins Judenland kann schwerlich den elf Millionen Juden, die auf der ganzen Welt zerstreut leben, in absehbarer Zeit werden. Schon deshalb wäre es von größter Bedeutung, daß die Frauen sich ihrer Frauenpflichten bewußt würden. Daß wir ein ganzes Stück Weges mit Ihnen gehen können, meine Herren, das wissen wir, und ich glaube auch, dieses Stück Weges sind wir gegangen, aber, meine Damen und Herren, es ist ein großer Unterschied, ob man in einer Familie Mutter oder Tante ist. Es läßt sich das ganz genau unterscheiden. Die Tante ist da, um das Kind zu verwöhnen, um sich lieb Kind zu machen, und der Mutter fällt die große Verantwortung zu. Daher sind die Mütter oft viel strenger als die Tanten. Wir Frauen haben im Zionismus bis jetzt eine Art Tantenstellung gehabt. (Heiterkeit.) Wir haben bei Bällen und Veranstaltungen das Süße, den Zimmes, gegeben. (Lebhafte Heiterkeit, Beifall und Händeklatschen.) Aber, meine Verehrten, da es 15

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