Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 224 — man damals glaubte, auf dem kürzesten, d. h. dem politischen Wege Großes zu erreichen. Lächeln Sie nicht! Es hätte auch so kommen können, und Sie wären nicht die letzten, es vorausgesehen zu haben. Wenn nun diese schöne Hoffnung in Erfüllung gegangen wäre, so hatte man gar nicht Unrecht, zu glauben, daß die jüdischen Frauen mitgegangen wären, denn für Siege und Sieger haben wir Frauen aller Stämme und aller Zonen von jeher — ich will nicht sagen — eine Schwäche, aber eine gewisse Vorliebe an den Tag gelegt. Die Siege aber, die der Zionismus feierte, waren nicht der romantischen Art, die auf den ersten Blick anerkannt und erfaßt werden. Nun hätte da eine Propaganda einsetzen müssen, die auf uns zugeschnitten wäre, und diese erheischte ein Studium, ein Vertiefen in die Seele der Frauen; denn eins ist doch sicher: Wenn wir Frauen auch ganz genau dasselbe wie die Männer denken und fühlen — was wohl nicht sehr oft geschieht — (lebhafte Heiterkeit) so denken und empfinden wir es doch1 immerhin nach anderen Modalitäten. Von wenigen löblichen oder unlöblichen Ausnähmen abgesehen, müssen wir zugeben, daß selbst der faßbarste, klarste Gedanke, den wir mit unserem Verstände voll begriffen haben, uns noCh lange nicht unser eigener Gedanke ist, bis er durch den Schmelztiegel des Gefühls gegangen ist: da erst erfaßt er uns ganz und sicher. Was hat nun der Zionismus getan, um die Frauen in seine Reihen zu ziehen und um ihnen zu zeigen, was sie ihm sein könnten, was sie ihm sein müßten. Sie kennen Herzls etwas zugespitzten Spruch: Was könnten die Frauen dem Zionismus sein? — fast alles; was sind sie ihm? — fast nichts. Ich möchte darauf antworten: der Zionismus hätte alles tun müssen, um sich zu versichern, daß er seine Rechnung nicht ohne die Wirtin mache (Heiterkeit), daß die Frauen mittun würden, tapfer und freudig mittun und nicht wie bei der Megillah „jauze" sein würden — durch das Zuhören. Der Zionismus hätte sich versichern müssen, daß die Frauen, die bereits im Zionismus standen, sich so hineingelebt haben, daß sie wieder zu einer lebendigen Werbekraft nach innen und nach außen werden mußten. Der Zionismus hat das nicht getan, er hat die Mittel und Wege nicht gesucht. Ich weiß wohl, der Zionismus hat nach den großen, schweren Sorgen kleinere und manchmal sogar kleinliche, aber noch schwerere Sorgen gehabt. Es ist eben kein leichter Weg, den wir gehen, aber gerade weil der Weg ein langer, schwerer und dorniger ist, muß man dafür sorgen, daß der Grundstein des jüdisch'en Volkstums, die Familie, beisammen bleibe, sonst wird sie auseinandergerissen und dann ist das ganze Gefüge locker. Wenn Sie, meine Herren fragen: Was hat die zionistische Frau geleistet?, so möchte ich zurückfragen: Was habt Ihr, die zionistischen Männer, die Ihr unsere Initiatoren hättet sein müssen,