Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 221)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 221 — Helden um. Sie sagt von Isaak, daß sein Augenlicht vor Alter getrübt war; aber nicht nur sein Augenlicht, auch sein geistiger Blick. Rebekka aber sah! es klar und scharf, daß der Mann nicht unser Stammvater sein konnte, der sein Erbrecht um ein Gericht Linsen verkaufte, daß der Mann nicht unser Stammvater sein konnte, der sich von den Töchtern des Landes genommen hatte. Meine Damen und Herren! Ich weiß wohl, er war hungrig und müde von der Jagd. Ja, wir Juden haben gehungert und gedürstet jahrhundertelang. Wir waren müde und gehetzt bis zum Tode, nicht vom Jagen, sondern vom Gejagtwerden, und dennoch hat kein echter Jakobssohn je daran gedacht, seinen geistigen Adelsbrief aus der Hand zu geben. (LebhL Beifall.) Unseren Zeiten blieb es vorbehalten, unser Erbrecht zum Teile auszuliefern! Wie vorbildlich ist schon das Verhältnis zwischen unserm Vater Jakob und dem Onkel Esau. Jakob der „Glatte", der „Heuchler", der „Betrüger" usw. usw. ging aus dem väterlichen Hause mit dem nackten Stabe in der Hand und dem Adelstitel im Herzen. Weiter hat Rebekka für ihren Liebling nicht vorgesorgt. Das reiche Erbe fiel ganz und voll an Esau, und wie mußte sidW der jüdische Stammvater mühen und quälen, wie mußte er kämpfen um sein Brot und um seine Liebe! Und immer wieder und wieder wurde ihm sein Lohn verkürzt und verkümmert. Und als er zuletzt, nach langen Mühen und Qualen, in die Heimat zog, da stieß er auf den ritterlichen Esau. Und was geschah? Der ritterliche Herr nahm Bakschisch und steckte zu dem reichen väterlichen Erbe noch die reichliche Brudergabe ein und bleib weiter ein Ritter. (Heiterkeit.) Jakob aber mußte wieder einmal tief in die Tasche greifen und blieb weiter ein Heuchler und Ausbeuter. (Lebh. Beifall.) Meine Damen und Herren! Wenn ich diese Abschweifung gemacht habe, so geschah es, um Ihnen zu zeigen, daß schon an der Wiege unserer Geschichte, schon von Anfang an, der vielgeprüfte, stets verkannte jüdische Mann nur bei den Frauen seines Stammes Verständnis, Treue und Beistand gefunden hat. Es geht eine ununterbrochene Kette von hohen Frauenbildern durch die ganze Bibel und die ganze jüdische Geschichte. Frauenheldentum ist bei uns so selbstverständlich, daß wenn eine Frau eine ganze Stadt vom Untergange rettet —der Name dieser Frau nicht einmal genannt wird. Sie heißt eben eine kluge Frau. Ist denn das ein Wunder bei uns, eine kluge Frau? (Lebhafte Heiterkeit — Beifall und Händeklatschen.) Eine Frau sprach jenes stolze, tiefsinnige Wort: ,?Bethoch ammi anochi joschebeth," als ihr ein hoher Prophet das Anerbieten machte, ihr Fürsprecher zu sein beim königlichen Hofe, bei der Armee, oder wo immer sie ein Anliegen hätte. In der Tat, was bedarf es der Vermittler, um Recht und Gerechtigkeit zu erlangen, wenn man unter seinem eigenen Volke sitzt? Aber auch diese Frau wird