Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 214)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 214 — zionistischen Kongreß ist unsere Position noch nicht ganz geklärt. Mehrere Mitglieder stellen verschiedene Forderungen bezüglich der mannigfaltigen unter uns vertretene Jargonsprache; manche sind der hebräischen Sprache noch nicht mächtig, Protokolle und Berichte erscheinen noch in deutscher Sprache, trotzdem die Enquete, die wir in einigen Landsmannschaften durchgeführt haben, erwiesen hat, daß die Zahl der Hebräischkundigen ungefähr 60 o/o beträgt. Wir müssen daher vorläufig noch in anderen Organisationen verharren, um die Zionisten, den Zionismus und die Leitung für die zukünftige Kulturarbeit, die am Ende vom Kongreß aus gemacht werden muß, vorzubereiten. Und auf dieser Tribüne müssen wir uns darauf beschränken, die Zionisten daran zu erinnern, daß es ihre Pflicht sei, ihre Kinder im nationalen Geiste zu erziehen, die Sprache zu verlebendigen, und sie mit der Zeit zu einer Umgangssprache zu machen. Das Hebräischsprechen bricht sich Bahn. Wir haben schon manches in dieser Beziehung geleistet, und wir müssen unsere Arbeit mit großer Ausdauer fortsetzen. Wir kennen die Schwierigkeiten; das fremde Milieu verschlingt uns, aber dagegen gibt es e i n Mittel: Ausdauer. Ohne Ausdauer hätten wir keinen Kongreß, ohne Ausdauer hätten wir keinen Zionismus, ich möchte fast sagen, daß wir ohne Ausdauer auch kein Judentum mehr hätten. Auch die Palästinaarbeit war, und ist außerordentlich schwer, aber die hartnäckigen Pioniere haben die Schwierigkeiten überwunden. Das schiechte Milieu war auch dort vorhanden, denn in der Wirklichkeit ist nicht nur das fremde Milieu schlecht, sondern auch unser eigenes, die Leute, die unsere Bestrebungen nicht verstehen, machen uns die größten Hindernisse. Aber wir sind .bereits über dieses Stadium hinausgekommen. Man sagt: Wir verstehen kein Hebräisch. Aber, meine Herren, diemeisten der russischen Zionisten verstehen kein Deutsch, trotzdem wird auf sie keine Rücksicht genommen. Ich glaube daher, daß wir zunächst noch verpflichtet sind, in einer anderen Organisation diese spezielle Arbeit fortzusetzen und den Zionismus langsam für unser Ideal vorzubereiten. Die hebräische Sprache wird siegen. Einer der Redner sprach über die Wichtigkeit eines Kultur-Ressorts, nur hat er es unterlassen, anzugeben, wo dieses Ressort gegründet werden soll. Ich nehme an, daß Palästina der eigentliche Ort sei, denn wir müssen dessen eingedenk sein, daß die zionistische Organisation besondere Pflicht habe, die in Palästina bestehenden Kulturanstalten zu fördern, neue Anstalten zu gründen und sämtliche Gruppen zu unterstützen, die den Zweck haben, die hebräische Sprache, den hebräischen Geist und das nationale Bewußtsein zu verbreiten. Sämtliche Institute sogar für die Diaspora müssen in Palästina gegründet werden, denn nur Palästina vermag einen kulturellen Einfluß auf die Diaspora auszuüben. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Der Herr Del. Chasanowitsch hat das Wort. Del. Chasanowitsch (Jargon): Geehrter Kongreß! Ich muß vor allem .... {Stürmische Rufe: Ivrith!) Wenn ihr es für nötig befinden werdet, einen Beschluß zu fassen, daß alle Reden auf dem Kongreße nur in hebräischer Sprache gehalten werden dürfen, werde ich mich -diesem Beschlüsse unterwerfen. Ich muß vor allem meiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß das Präsidium eine Tat begangen hat, die seinen Pflichten durchaus nicht entspricht. Es wurden Resolutionen eingebracht in einer Sprache, die nicht von allen verstanden wird, und man hat gebeten, aus der Mitte des Kongresses, diese Resolutionen mögen übersetzt werden, und dennoch hat man dies nicht getan. (Lebh. Zustimmung. — Zwischenrufe.) Ich kann euch zugeben, daß es Pflicht jedes Zionisten ist, hebräisch zu lernen, aber ihr werdet doch nicht behaupten wollen, daß hier im Saale heute schon alle hebräisch verstehen?