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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 213

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 213 (sequence 213)
Language
German, English, Hebrew
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— 213 — wir diese Abteilung nicht einrichten werden, einer Zeit entgegengehen, wo der Zionismus inhaltslos bleiben wird. Man hat dem Zionismus alles weggenommen. Der Geist ist verschwunden, und wir haben uns alle in Kleinkrämer verwandelt, die mit dem Bleistifte in der Hand die Rechnung machen, wieviel Kapital wir nach einigen Jahren haben werden. Wo sind die neuen Kräfte, die wir in der neuen Zeit dem Zionismus zugeführt haben? Wir haben keine Bewegung mehr, sondern nur eine Organisation. Wir haben unsere besten Kleider weggeworfen und arbeiten jetzt ganz alltäglich. Aus dieser Lage gibt es nur einen Ausweg. Auf diesen Ausweg haben bereits die besten jüdischen Schriftsteller hingewiesen, und wenn wir nur die Wege und Mittel finden werden, wie wir die kulturelle Arbeit auch in unser Programm aufnehmen, dann werden wir auch die moralische Kraft und das moralische Recht gewinnen, unseren Einfluß in den Ländern des Golus geltend zu machen. Wir haben einen allgemeinen Feind und gegen diesen müssen wir alle in Reih und Glied auftreten. Und das ist die Assimilation, die nicht tot ist, sondern noch Fortschritte in allen Ländern macht. Da müssen wir alle ohne Ausnahme arbeiten. Mehrere behaupten, dazu sind andere Organisationen geschaffen worden, wie z. B. die Organisation für hebräische Kultur und für die hebräische Sprache. Der Redner kann sich hiermit nicht einverstanden erklären. Er behauptet, daß dort, wo eine Eifersucht ist, auch keine echte Liebe vorhanden sein kann, und »wenn die zionistische Organisation auf diese Arbeit, die doch die Seele und den Inhalt des Zionismus ausmacht, verzichtet, dann verschenkt sie das Teuerste. Herr S y r k i n warnt die zionistische Organisation vor einer solchen Taktik und einer solchen Politik. Man darf diese Arbeit nicht verschenken und anderen Organisationen abgeben, da sie den Inhalt und den Kernpunkt des Zionismus ausmacht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. ZIatopoIsky (spricht hebräisch) Redner führt aus, die Frage sei nicht neu, da schon früher mehrere Redner sich über das Problem der Aufnahme der Kulturarbeit in das zionistische Programm geäußert haben. Die Forderungen wurden schon in früheren Kongressen gestellt, auch wurden diesbezüglich wichtige und inhaltsreiche Referate verlesen. Es wurde auf dem III. Kongreß betont, daß eine nationale Auferstehung eine geistige Renaissance zur Voraussetzung habe. Damals haben wir dafür gekämpft; jetzt ist das eine Selbstverständlichkeit geworden. Wir müssen die Kulturarbeit nicht nur wegen der Kultur, sondern auch wegen des Zionismus selbst aufnehmen, weil nur ein Zionismus, der auf einem starken innern Sehnen nach einer Auferstehung basiert, geeignet ist, den starken Willen zu schaffen, der für die Gewinnung des Landes unentbehrlich ist. Der Vertreter des M i s r a c h i meinte, wir sollen uns in kleinen Grupepn für diese Arbeit zusammentun, aber der Kongreß solle sich damit nicht beschäftigen. Diese Ansicht ist unannehmbar. Die kleinen Gruppen mögen arbeiten, aber von dieser Tribüne aus muß die hohe wichtige Bedeutung des geistigen Faktors verkündet werden. Die früheren Vorträge, die diesem Thema gewidmet waren, haben keine tiefen Spuren hinterlassen, weil sie vom deutschen Geist und von der deutschen Sprache beeinflußt wären. Jetzt ist es das erste Mal, daß wir ein, sowohl der Form, wie dem Inhalt nach echt hebräisches und jüdisches Referat im Zionisten-Kongreß gehört haben (stürmischer Beifall), wir hoffen daher, daß dieses Referat sicherlich zu großen Resultaten führen werde. Herr S y r k i n meinte, die hebräische Organisation wünsche nicht die Aufnahme der Kulturarbeit in das zionistische Programm. Dieser Ansicht muß ich auf das entschiedenste entgegentreten. Das Gegenteil davon ist wahr: Wir sind fast alle Zionisten, und wer der hebräischen Organisation beitritt, ist schon ein halber Zionist, nur behaupten wir, die Zeit sei noch nicht gekommen, die zionistische Organisation ganz zu hebraisieren. Im

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