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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 215

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 215 (sequence 215)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476274--3760-3479902
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— 215 — Sie können sagen, das ist ein Unglück, Sie können sagen, das ist ein Verbrechen, aber jedenfalls ist es eine Tatsache, und 'der trage ich Rechnung. Sie können von mir nicht verlangen, daß ich eine Resolution in einer Sprache beantrage, die nicht von allen verstanden wird. (Beifall und Unruhe.) Vor ganz kurzer Zeit haben die Poale Zion in Wien eine Weitkonferenz abgehalten und zu den Fragen Stellung genommen, die diesen Kongreß ( beschäftigen, darunter auch zur Kulturfrage. Die Poale Zion-Organisation' hat eine Resolution beschlossen, die Protest dagegen erhebt, daß diese Frage auf die Tagesordnung des Kongresses gestellt ist. Jeder muß das Recht haben, zu denken wie er will, politisch wie kuitureli. Das ist die alte Tradition von Herzl: In die Politik mischt sich die zionistische Bewegung nicht ein. Die persönliche wie die Gedankenfreiheit zu beschränken, hat sich die zionistische Organisation bisher nicht das Recht herausgenommen. (Unruhe bei den Misrachisten.) Ihre archaistischen Tendenzen (Unruhe) entsprechen nicht den Gedanken und Interessen aller zionistischen Kreise, vor allem nicht der Arbeiterverbände und am allerwenigsten der Massen, die wir für den Zionismus gewinnen wollen. (Beifall und Unruhe.) Die Sprachenfrage ist noch nicht entschieden. (Zurufe: Unsere Vergangenheit macht es uns zur Pflicht!) Wir Poale Zionisten schätzen die hebräische Sprache sehr, ein vollkommener Jude muß auch die hebräische Kultur und die hebräische Sprache beherrschen (Beifall), in diesem Sinne arbeiten auch wir. Die Poale Zionisten haben in den von ihnen in Amerika errichteten Schulen Hebräisch als Lehrgegenstand, weii sie sagen, in der hebräischen Sprache ist die hebräische Kultur aufgespeichert. Aber die Sprache des Volkes ist es nicht. Wir können uns nicht auf den extremen Standpunkt stellen, der die Sprache des Volkes ausschließt. Die das verlangen, denken mit der allertiefsten Verachtung von dem Volke. (Große Unruhe. Entrüstete Zurufe.) Das ist Tatsache. Ich habe Gelegenheit, die Hebraisten bei der Arbeit zu sehen, in verschiedenen Ländern. Es geht ein Hauch von Abneigung gegen die Volksmasse durch sie, ein Hauch von Verachtung des Volkes. (Große Unruhe. Rufe: Zur Ordnung!) Vizepräsident Ussischkin ersucht den Redner, seine Worte zurückzunehmen. Del. Chasanowitsch: Es ist Tatsache, daß die jüdische Volksmasse in ihrem momentanen Lebensausdruck bei den Hebräern nicht genügend Verständnis und Schutz findet. Das ist meine Ansicht. Aber die Frage ist eben nicht entschieden. Ich verstehe sehr wohl, daß man hierher kommt und erklärt, die jüdische Nation ist in Gefahr, die jüdische Jugend geht uns fort, wir müssen ein Band haben, sie mit der Vergangenheit zu verknüpfen, und das ist die hebräische Sprache. Ich verstehe das für Deutschland und für Frankreich und für die gebildeten Kreise. Aber in den demokratischen Schichten des Volkes ist das einzige Bindemittel die Sprache, die das Volk spricht. Auf dieses Bindemittel können wir nicht verzichten. Sie können hebräische Kultur geben, aber Sie müssen das Jüdische lassen. Sie schaffen eine Scheidewand, und die jüdische Aristokratie beraubt sich selber der Möglichkeit, im Volke zu wirken. (Unruhe. Zuruf: Sozialist!) Hebräisch schaff einen Gegensatz zwischen Volk und Nation. Hebräisch vereinigt Deutschland, Frankreich und meinetwegen die Türkei — aber nicht die unteren Schichten des Volkes. Die Masse des Volkes wird abgestoßen von der nationalen Bewegung. Die Juden in Galizien haben sich mit dem größten Opfermut in den Kampf für die Anerkennung der jüdischen Sprache geworfen, sie haben erklärt: ihre Umgangssprache sei jüdisch. (Unruhe.) Da ist es unmöglich, daß hier von der Tribüne gesagt wird: das ist eine Lügensprache! (Unruhe. Zuruf: Wer sagt

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