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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 212

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 212 (sequence 212)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 212 — kolonisatorischen und geistigen Arbeit findet Herr Berlin im Namen der Misrachi keine Möglichkeit, ein solches Institut zu schaffen, das für alle gleich wäre. Wohl meint Herr Berlin, könnte die Majorität dies beschließen, aber solche Angelegenheiten des Gewissens und des Gefühls obliegen nicht der Kompetenz einer Majorität, und bittet er, auf die Minorität keinen Zwang auszuüben. Denn das Existenzrecht von solchen geistigen Sachen hängt weder von der Majorität noch von der Minorität ab und Herr Berlin schlägt daher im Namen der Misrachi folgende Resolution vor: „Der Kongreß beschließe, daß es Pflicht jedes Zionisten, aller zionistischen Organisationen, Kreise und Föderationen ist, mit aller Kraft zur Förderung der hebräischen Sprache und Literatur beizutragen. Jede Föderation erstattet nach ihrem Geiste und Gewissen dem Kongreß Rechenschaft über ihre Kulturtätigkeit." Del. Syrkin (spricht hebräisch als Generalredner). Del. Dr. Schmarja Lewin (übersetzt): Es wird mir sehr schwer sein, Herrn Syrkin zu übersetzen, denn er hat einen ganz eigentümlichen, hübschen, blumenreichen Stil. Ich werde mich deshalb bemühen, den Inhalt seiner Rede Ihnen mitzuteilen. Herr Syrkin hat ausführlich über die letzten Erscheinungen im jüdischen Leben, über die Taufen, gesprochen und hat sich darüber beklagt, daß wir gar kein Mittel ergreifen, um dieser bösen Erscheinung entgegenzutreten. Wir haben im Laufe unserer Geschichte schon wiederholt ähnliche Zeiten mitgemacht, aber so weit gingen sie doch nicht Immer wurde die Taufe als etwas Tragisches aufgefaßt, jetzt steht man der Taufe mit einem gewissen Leichtsinn und Ausgelassenheit gegenüber. Man spricht von ihr wie von einem Frühstück oder Abendessen. Wir hatten in Spanien die Marannen, aber die Legenden aus jener Zeit verkünden uns ihre Leiden und ihre inneren Schmerzen in lebendigen Farben. Von den jetzigen Täuflingen wird nichts auf die Nachwelt übergehen. Sie können die langen Register der getauften Juden in den österr.-jüd. Zeitungen lesen. Gruppenweise verläßt man das jüdische Volk. Wir werden sie nicht steinigen, aber doch wäre es eine Sünde für uns, wenn wir kein Mittel ergreifen würden. Diejenigen, die noch die Chedererziehung genossen haben, werden in unserer Mitte bleiben, auch wenn das Leben sich gegen sie stellt, was wird aber aus den Kindern derjenigen werden, die eine assimilatorische Erziehung bekommen haben? Das geschieht alles nur deswegen, weil wir keine jüdische Institution, keine jüdische Tribüne haben, von der aus man diese Schande brandmarken könnte. Eine einzige Tribüne haben wir geschaffen, das ist der zionistische Kongreß und deshalb erachtet er es als unsere heilige Pflicht, daß wir von hier aus gegen diese häßliche Erscheinung in unserem Leben protestieren. Der Zionismus umfaßt nicht nur eine Partei und eine Gruppe, sondern er enthält eine ganz in sich abgeschlossene und abgerundete Weltanschauung. Deshalb sind wir gezwungen, die kulturelle Arbeit in unser Programm aufzunehmen, damit ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Zentrum, nach dem wir streben, und den Ländern des Golus entstehe. Diese Arbeit muß in unserer Organisation nicht weniger wie die palästinensische Arbeit und andere einen passenden Platz finden. In Palästina wird für den jüdischen Körper ein Zentrum geschaffen, wir müssen aber auch für unseren Geist ein solches zu schaffen trachten. Deshalb schlägt Herr Syrkin dem Kongresse vor, derselbe möge eine besondere Abteilung in der Organisation im E. A. C. oder im A. C. für die Kulturarbeit mit einem bestimmten Etat schaffen und diese unsere Pflicht und Schuldigkeit liegt nicht nur in unserer inneren Erkenntnis, sondern weil wir, wenn

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