Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 211 — Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Ich persönlich bin gegen den Antrag Gronemann. Die hebräische Sprache ist nicht bloße Demonstration. Wir wollen hier über unsere Sprache in unserer Sprache reden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Das Wort zur Geschäftsordnung] hat Herr Chasanowitsch. Del. Chasanowitsch (Jargon): Geehrter Kongreß! (Lebh. Rufe: Ibrith!) Ich bitte, den Antrag auf Wahl von Generalrednern abzulehnen. Es handelt sich hier um eine Menge der wichtigsten Fragen, über die die Poale Zion ihre Meinung aussprechen muß. Es handelt sich bei dieser Frage um eine Lebensfrage für die zionistische Organisation, und eine so rasche Abfertigung derselben, wie etwa bei der Emigrationsfrage, würde für die zionistische Bewegung die schlimmsten Folgen haben. Deshalb bitte ich um Ablehnung des Antrags Gronemann. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch) ersucht um Ablehnung der Redezeitbeschränkung. (Die Abstimmung ergibt den Beschluß, vier Generalredner mit je zehn Minuten Redezeit noch zu Wort kommen zu lassen. Es tritt für ihre Wahl eine viertelstündige Pause ein. — Nach Wiederaufnahme der Sitzung um 7 Uhr 20 Min. abends.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch) eröffnet die Sitzung. Del. Dr. Tschlenow (übersetzt): Es werden nun die Generalredner sprechen, und es .werden sämtliche Reden nachträglich in die deutsche Sprache übersetzt werden. (Beifall.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Der Herr Del. Berlin hat das Wort. Del. M. Berlin (hebräisch). Del. Syrkin (übersetzend): Geehrter Kongreß! Die kurze Uebersetzung der Ausführungen des Herrn Berlin ist folgende: Zuerst gibt Herr Berlin als Vertreter der Misrachi-Fraktion der Freude Ausdruck, daß nach 15jähriger Arbeit nunmehr der Kongreß zu der Anerkennung gelangte, daß unsere Nationalsprache auch unsere offizielle Sprache ist. Herr Berlin ist auch im Namen der Misrachi prinzipiell mit all den Vorschlägen einverstanden, die S o k o 1 o w unterbreitet hat, mit Ausnahme jenes Teiles, über den er dann ausführlicher spricht. Die zweite freudige Tatsache, die Herr Berlin mitteilt, ist die, daß die Bemühungen und die Opferfreudigkeit des Gesinnungsgenossen Chaim Cahan aus Charkow das Grundkapital des Tachkemoni auf 125000 Mark anwachsen ließen und er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß alle anderen Gesinnungsgenossen diesem Vorbilde folgen. (Beifall.) Nun geht er zum Referat S o k o 1 o w über und meint, daß jeder Zionist mit dem Vorschlage einverstanden ist, ein Bureau für hebräische Kultur zu gründen. Nur kommt bei diesem Projekte etwas Positives vor, das bei dem gegenwärtigen Zustande nicht möglich durchzuführen ist. Herr Berlin meint, wir haben keine homogenen geistigen Forderungen. Diese geistigen Forderungen sind das Resultat verschiedener Atmosphären, in denen sich die Zionisten der verschiedenen Länder befinden. Es gibt keine allgemeinen homogenen geistigen Forderungen, und deswegen hält er es nicht für möglich, daß eine allgemeine Direktive in dieser Beziehung festgesetzt wird. Er beurteilt nicht, wer von den Vertretern der verschiedenen Richtungen wohl Recht oder Unrecht hat, das ist eine Sache des Gefühls und auch das Gefühl ist ein Resultat von verschiedenen Kräften, die hauptsächlich von den verschiedenen Atmosphären abhängen. Bei allem Verlangen nach einer Vereinigung der materiellen, 14*