Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 210)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 210 — waren überzeugt, daß ihr Volkstum nur in Palästina wieder ^aufblühen kann. Handelt darnach und gründet von neuem das jüdische Volk. Aber wir müssen einen wichtigen Punkt im Auge behalten. Es ist nicht nur wichtig, daß wir die moderne hebräische Sprache pflegen und eine moderne hebräische Literatur gründen, sondern wir müssen uns dessen bewußt werden, daß wir unsere alte Literatur nicht mehr verstehen. Ob orthodox oder Reform, wir dringen nicht mehr in die Wahrheiten und Schönheiten unserer Bibel ein; wir können den Geist unserer Gesetzgebung, Propheten und Seher nicht voll und ganz erfassen. Wieso? Weil wir uns von unserem Lande zu sehr entfernt haben. Das Verständnis der Bibel ist mit dem Verständnis für das Land verbunden. Wir müssen unser Altertum wieder gewinnen, müssen wieder zum Bibelvolke werden und das ist nur möglich im Lande unserer Väter. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del, Dr. Sah Daiches (hebräisch) beantragt: Der Kongreß möge beschließen, daß in jeder Stadt, wo zionistische Vereine vorhanden sind, diese danach streben sollen, hebräisch sprechende Vereine zu gründen und insbesondere die Jugend dazu zu veranlassen, das Hebräische als Umgangssprache zu benutzen und zugleich auch die Kenntnis der alten und neuen hebräischen, wie auch talmudischen Literatur zu pflegen. Man kann auch ein „Am Haarez" sein, wenn man Hebräisch versteht Man muß auch den Inhalt nicht außer Acht lassen. Das einzige Mittel ist die Gründung von Vereinen in jeder Stadt, wo Zionisten wirken, welche für die Verbreitung der hebräischen Sprache sorgen und auch die Kenntnrs der alten und neuen hebräischen Literatur verbreiten sollen. Der Redner führt in der Begründung aus, daß in dem Augenblick, wo die hebräische Sprache Umgangssprache sei, man nicht mehr werde sagen können, daß jeder, der hebräisch spricht, auch unsere Literatur und Geschichte kennen muß. Der Redner gibt seiner Freude Ausdruck, daß Sokolo w in seinem Referate betont habe, daß die Bibel das Fundament der hebräischen Kultur sei und daß die rabbinische Literatur das Ueberleben der hebräischen Sprache bis auf den heutigen Tag ermöglicht habe. Sokolow habe aber nicht die Konsequenz aus seiner eigenen Behauptung gezogen und habe sich mit dem Sprechen des Hebräischen begnügt. Was hebräische Schulen anbetrifft, so läßt sich das leicht im Osten verwirklichen, wo kein Schulzwang besteht und die Juden ihre eigenen Schulen gründen. Aber in den Ländern des Westens, wo wir alle gezwungen sind, unsere Kinder in die allgemeinen Schulen zu schicken, lassen sich die Vorschläge Sokolows leider nicht ganz verwirklichen. Daher halte ich die von mir vorgeschlagenen Mittel zur Verbreitung der jüdischen Literatur in den Ländern des Westens für das einzig Wirksame. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch) erteilt dem Del. Grone mann das Wort. Del. Gronemann (beginnt seine Rede in hebräischer Sprache und setzt sodann fort): Nein, ich werde deutlicher reden! Ich stelle den Antrag auf Wahl von Generalrednern. Außerdem aber stelle ich an die folgenden Redner die Bitte, sich der deutschen Sprache zu bedienen. Der Kongreß ist nicht lediglich eine Demonstration, es handelt sich um ernste Dinge. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Großer Widerspruch.) Jedes Mitglied des Kongresses soll doch den Verhandlungen folgen können. (Zwischenrufe.) Mancher von denjenigen, die sich in die Rednerliste haben eintragen lassen, wird sich an der Diskussion nicht beteiligen, wenn er nicht weiß, daß auch die Redner, die anderer Meinung sind, verstanden werden. (Zustimmung und Widerspruch.)