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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 209

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 209 (sequence 209)
Language
German, English, Hebrew
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— 209 — Anträge als Resolutionen des Kongresses grundsätzlich anzunehmen. (Stürmischer, langandauernder, sich immer wieder erneuernder Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Ich bitte die folgenden Redner, ihre Reden so zu halten, daß auch die nachfolgend Gemeldeten noch Zeit erhalten, nach dem alten jüdischen Grundsatz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Das Wort hat Herr Del. Dr. Nacht. Del. Dr. Nacht (hebräisch): Die Eroberung der Gemeinden durch die hebräische Sprache liegt im Bereiche der Möglichkeit. Das Hebräischsprechen ist für uns ein wichtiger, aber nicht der einzige Grundsatz. Die Sprache ist nur ein Mittel zur Erhaltung der Thora. Wir entstammen alle den Talmudlehrhäusern und können auf die dort aufgespeicherten Schätze nicht verzichten. Brenners Auffassung müssen wir aufs schärfste zurückweisen. Auch Herr Ussischkin hat ein Institut geschaffen, das nicht so handelt, wie es sollte. Auch bezüglich der Sabbatruhe sind hier gestern nicht zu billigende Aeußerungen gefallen. Wir haben Glauben und verzweifeln nicht. Wir können nur jüdisches Epikuräertum dulden, aber nicht nach Brenners Art. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Ich ersuche den Redner, zu S o k o 1 o w s Referat zu sprechen und nicht Privatpersonen hineinzuziehen. Del. Dr. Nacht (hebräisch): Die „Histadruth" ist bestrebt; die Hebraisierung der jüdischen Familie zu verhindern. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Es ist ein Antrag eingegangen, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken. Del. Dr. Syrkin (hebräisch) widerspricht. (Der Kongreß beschließt die Beschränkung auf 10 Minuten.) Del. Dr. Samuel Daiches: Se hajom, assa Adonai nagila w'nismecha bo — Das ist der Tag, den Gott gemacht, an dem wir uns freuen und jubeln. Viele von uns hatten sich daran gewöhnt, die Kulturfrage als einen Stein des Anstoßes zu betrachten. Noch vor wenigen Tagen hatten wir gefürchtet, daß das Hineinbringen der Kulturfrage in den Kongreß eine Gefahr für die Organisation bedeuten würde. Dieser Kongreß hat gezeigt, daß dies ein großer Irrtum war. Der X. Kongreß hat uns schon gezeigt, daß die Kulturfrage die erste, die bedeutendste Frage unseres Volkslebens ist. Am ersten Kongreßtage haben wir die Lichtbilder gesehen, die uns unser Freund Dr. H. Loewe vorgeführt hat, und aus ihnen ersahen wir, was für große Fortschritte die Entwicklung des palästinensischen Bodens gemacht hat. Am zweiten Tage sahen wir im Stadtkasino die Zeichen des neuen pulsierenden jüdischen Lebens im Lande unserer Väter. Unsere Brüder und Schwestern aus Palästina sangen hebräische Lieder, die voll waren mit dem Erdgeruch Erez Israels, und wir freuten uns, und Tränen der Freude füllten unsere Augen. Am Freitag hatten wir die Kulturdebatte, und wir sahen, daß alle Fraktionen, daß die Misrachisten wie die Poale Zion eine friedliche Diskussion gehabt haben. Und wenn auch nur noch der leiseste Zweifel bestanden hätte, ob der Misrachi Sinn für die Kulturfrage gehabt hätte, so war dieser Zweifel durch diese Versammlung vom Sonnabend beseitigt. Sie haben durch die Bildung ihres Kulturvereins gezeigt, daß sie auch ein Verständnis für die hebräische Kultur haben. Die Misrachisten wollen die jüdische Kultur in ihrem Sinne fördern, die Histadruth in ihrem, aber jetzt sind wir darüber einig, daß die Kulturfrage die bedeutendste ist im jüdischen Leben. Es ist selbstverständlich, daß die Entwicklung unserer Sprache für die Entwicklung des Bestrebens, wieder ein Volk in unserem Lande zu sein wichtig ist. So fanden wir es auch in den früheren Jahrhunderten. Sie 14

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