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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 205

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 205 (sequence 205)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476274--3750-3479892
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— 205 — will. Wollen wir nur! Die Tatsache der Entjudung der Namen beruht auf der breiten Grundlage der Nachahmungssucht. Es ist wahrlich nicht schön, daß wir so oft und so bereitwillig unseren Vaternamen verleugnen, indem wir ihn umgestalten, verstümmeln und entstellen. Der Vaterna;me ist doch für jeden anständigen Menschen, der anständiger Eltern Kind ist, auch ein Stück seiner angeborenen und angeerbten Ehre. Aber freilich, die Verblendung und Hartsinnigkeit, die auf dem Boden der Gewohnheit so stark geworden, sind auch hier mächtig genug, um uns in einen Widerspruch mit uns selbst zu versetzen. Ueberwinden wir diese Schwäche, wie wir bereits andere Schwächen überwunden haben. Von sprachlicher Seite bietet auch der Schatz alter Ortsnamen einen ungeheuren Reichtum an Stoff. Dieser Stoff ist noch gar nicht ausgebeutet worden. Ich will Ihnen eine kleine Reminiszenz mitteilen. Ich übersetzte Herzrs Alt-Neuland auf seinen Wunsch aus seinem Manuskript ins Hebräische. Schon beim Titel blieb ich stehen, Alt-Neuland — ja, die deutsche Sprache mag sich diese Zusammensetzungen leisten, die hebräische läßt es nicht zu. Ich überlegte und schrieb „Tel Abib". Es war ein Ortsname im alten Palästina. Es ist nicht meine Erfindung, es war ein alter Name, nur hatte man ihn vergessen. Nun trägt unser Stadtteil in Jaffa diesen wohlklingenden Namen! V. Man gehe in dem Streben der Sprachreinigung nicht zu weit. Wo ein Fremdwort durch ein dem Begriff vollkommen entsprechendes hebräisches Wort ersetzt werden kann, bediene man sich des letzteren. Ist das Fremdwort jedoch eingebürgert und allgemein verständlich, oder wird der demselben zugrunde liegende Begriff nicht vollständig wiedergegeben, so ist es ein falscher Eifer, das letztere zu bevorzugen. Wir wollen uns nicht isolieren. Kein Volk, wenigstens kein Kulturvolk, scheidet sich streng von den andern und setzt geistigen Berührungen Grenzpfähle entgegen, wie man dies bei den Waren und Erzeugnissen des Bodens tut. Sobald sich aber Völker äußerlich nähern, so erfahren auch ihre Sprachen eine notwendige Wechselwirkung. Die Wissenschaften, Künste und Gewerbe bedürfen technischer Ausdrücke, die einen sdharfbegrenzten, voraus verabredeten Begriff unverändert festhalten sollen. Versucht man eine forcierte Uebersetzung, so klingt sie hölzern und lächerlich. ■ Man darf daher auch nach dieser Richtung nicht übertreiben und das Kind mit dem Bade ausschütten. VI. Wer einen Baum zu künstlichen Formen zuschneidet, vergeht sich gegen die Natur; wer seine Auswüchse wegnimmt, kommt ihr .zur Hilfe. Was unserer Nationalsprache von Einzelnen aufgedrängt worden ist, ohne daß es ihren Bedürfnissen dient, dürfen wir versuchen, wieder zu beseitigen. Wir haben die Sprache als geliehenes Pfund von unserm ganzen Volk überliefert erhalten, sie ist nicht freies Eigentum des Einzelnen. Wir alle haben sie zu

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