Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 203)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 203 — IV. Der Zionismus hat die Ehrenpflicht, in all seinen Institutionen, Bureaus und Vereinen in dieser Beziehung vorbildlich zu wirken, V, Jeder Verein hat für die Einrichtung von hebräischen Schulen und Sprachkursen zu sorgen und das Zentralbureau übernimmt die Pflicht, das nötige Material zu liefern. Für die Erreichung dieser Zwecke stelle ich folgenden Antrag: Der X. Zionistenkongreß anerkennt die Notwendigkeit, einen hebräischen Schulverein zu gründen, der die Wiederbelebung der hebräischen Sprache als gemeinsame Nationalsprache des jüdischen Volkes bezweckt. Dieser Zweck soll erreicht werden durch: a) Errichtung von hebräischen Freischulen, die nach Maßnahme der Mittel zunächst in den Großstädten errichtet werden und in denen der Unterricht unentgeltlich erteilt werden soll. Das Hebräische soll in diesen Freischulen wie eine lebende Sprache nach einem einheitlichen Lehrentwurf gelehrt werden. b) Vorbereitende Schritte zur Erhaltung bestehender Schulen und zur Gründung neuer hebräischer Mittel- und Hochschulen in Palästina und womöglich auch in der Diaspora. c) Drucklegung und Subventionierung hebräischer Lehr- und Lesebücher für den Gebrauch der Freischulen, der zu gründenden Lehranstalten und des Privatunterrichts. Zur Deckung der Ausgaben nimmt der projektierte Verein jährliche Mitgliedbeiträge in Aussicht. Der Verein wird von Zionisten gegründet und wird vom Zentralbtireau aus mit dem nötigen Material unterstützt. Außer dieser pädagogisch-kulturellen Arbeit müssen wir für die Sprache selbst sorgen. Auch in dieser Beziehung halte ich es für notwendig, zunächst die Prinzipien aufzustellen und dann die sich hieraus ergebenden Anträge zu machen: I. Es ist unsere Pflicht die Sprache zu wahren, sie vom Fremdartigen zu säubern und durch eine sorgfältige Entwicklung der in ihr vorhandenen Keime sie zu immer größerer Leistungsfähigkeit auszubilden. II. Die Dinge sind das erste, das zweite aber sind die Worte; wenn die Dinge mehr werden, muß auch die Zahl der Worte größer werden; wenn der Dinge Gestalt sich verändert, müssen auch die Worte etwas anders werden. Die Worte sind also wie ein Kleid, das sich nach seinem Besitzer richtet und mit seiner Veränderung auch verändert werden muß. Unsere Sprache ist so reich, daß man selten umsonst sucht, wenn man nur wirklich sucht. Es fehlt vielen von uns nur leider viel zu sehr an traditionellem Wissen und nationalem Selbstgefühl; wir sind so sehr von anderen Kulturen abhängig, daß wir immer