Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 200 — Tuschijah, Bibliotheka Hagedolah Ben-Avigdors entfaltete mit bewundernswerter Ausdauer eine vielseitige Tätigkeit, besonders auf dem Gebiete der Schul- und Lehrbücher; die Odessaer Morijah hat Gediegenes geschaffen; die moderne Literatur findet bei Safrus, Jugend- und Kinderliteratur bei Haor, Hachinuch und kunstvolle Uebersetzungen bei Meturgeman sorgfältige Berücksichtigung. Jener Teil des Schrifttums, der dem Leben am nächsten steht, die Publizistik, entwickelt sich nicht weniger. Die Tageszeitung Hazefirah hat ihren alten Leserkreis wiedergefunden, der Heed Hasman kämpft augenblicklich mit Schwierigkeiten, die er aber überwinden wird, der Haschiloach gedeiht und in Palästina erscheinen die alten und häufen sich neue Zeitschriften und Broschürenserien, die uns das Unmittelbarste vermitteln, den Erdgeruch Palästinas. Und der Milon Ben- Jehudas, dieses unglaubliche Riesenunternehmen eines Einzelnen, schreitet vorwärts. Ich könnte auch noch unseren alten wackeren Verein Mekize Nirdamim erwähnen, der in den letzten Jahren die Herausgabe alter Manuskripte mit großer Tüchtigkeit zu betreiben begann, aber ich kann hier nicht vollständig sein, ich möchte nur noch ein Wort über ein älteres Projekt sagen. Vor Jahren habe ich, von dieser Tribüne aus, eine hebräische Enzyklopädie angekündigt; ich glaubte Grund zu haben, die Sache als gesichert zu betrachten, aber die Voraussetzungen sind nicht eingetreten und das Projekt harrt noch seiner Verwirklichung. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Von anderer bewährter Seite wurde eine judaistische Enzyklopädie in hebräischer Sprache angekündigt; auch dieses hochbedeutende Unternehmen ist nicht zustandegekommen. Ja, es ist eben wie mit allen großen Projekten, die von dieser Tribüne aus angekündigt worden sind: Nicht alle konnten verwirklicht werden, nicht alle in dem beabsichtigten Umfange verwirklicht werden. Das schadet nichts; daraus wird man niemanden einen Vorwurf machen. Man muß nur wollen und arbeiten, man muß nur eine anhaltende Aufwärtsbewegung sein und sich nicht in den Schmollwinkel setzen, wenn man seinen Grundsätzen nicht sofort Geltung verschafft. Im Gegenteil: Der Umstand, daß dies und jenes noch nicht ausgeführt worden ist, soll den Tatendrang zu neuen Kühnheiten stacheln. Fürwahr, Kühnheiten sind alle unsere Projekte —, aber wir haben ja alles, was wir schon besitzen, nur unserem Mut und unserer unverdrossenen Arbeit zu verdanken! Und spricht man von Arbeit, so soll es gesagt werden: Nirgends sehen wir eine so unentwegt systematische Arbeit, die sich Achtung erzwingt, nirgends so konsequent durchgeführte Bemühungen, wie auf dem Gebiete unserer Volkskultur. Seht euch doch die Fortschritte der hebräisdien Redesprache an! War noch vor einigen Dezennien der Träger der hebräischen Literatur der hausierende Mechabber, so war der Vertreter der hebräischen Rede der exotische Meschulach oder der Wunderrabbi an Sabbattagen — etwas Weltfremdes,