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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 198

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 198 (sequence 198)
Language
German, English, Hebrew
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— 198 — Seele der Nation immer zu neuem Leben entzündete. Die Auferstehung des Volkes unter Esra und Nechemia begann mit der Wiederbelebung der hebräischen Sprache; die Rettungstat R. Jochanan Ben Sakkais für die Erhaltung des Volkstums nach dem Verlust der politischen Selbstständigkeit war bekanntlich die Gründung einer Schule für jüdisches Wissen; die Wahrung der reinen Sprache unter den Judäern galt für unsere Weisen als eine Gewähr für die Erhaltung der Lehre, wie auch andererseits die Verwahrlosung der Sprache unter den Gäliläern als ein böses Zeichen galt. Nur das nationale Wort hatte die erlösende Kraft. Auch die ptolemäische Großtat, die griechische Septuaginta-Uebersetzung, hatte den Weisen Judäas Angst eingeflößt. Sie behielten auch Recht. Für unser Volkstum haben all diese Uebersetzungen — man zählt sie heute schon zu Hunderten — nichts geleistet. Das Verständnis der Schriftdenkmäler, zumal der prophetischen aus ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhange heraus, ist noch heute imstande, die Gottesgedanken, die mahnenden und strafenden, wie die tröstenden und erbauenden, welche durch den Mund der Propheten unseren Ahnen vermittelt wurden, in aller Kraft auch für unsere Gegenwart wirksam werden zu lassen, aber nur in der Ursprache. Wie der Stil für den einzelnen Menschen, so ist die Sprache für das Gesamtvolk bezeichnend. Die hebräische Sprache besitzt alle Eigentümlichkeiten des jüdischen Volkes. Sie besitzt für abstrakte Vorstellungen eine erstaunliche Mannigfaltigkeit und Abwechslung der Ausdrücke und malenden und nuancierenden Sprachformen. Sie hat Worte und Stämme, welche eine Menge von Bedeutungen, selbst entgegengesetzte, vereinigen, so daß nicht ohne Grund manche Wurzeln mit den orientalischen Feigenbäumen verglichen werden, die ihre Aeste wieder in die Erde senken und aus einem Baum einen Wald von Bäumen bilden. Die subjektive Richtung des jüdischen Geisteslebens bedingt auch die außergewöhnliche Freiheit der Zeitfolge, die so gewöhnlich durch Vergegenwärtigung von Vergangenem in die präsentische bzw. zukünftige übergeht. Die statuarische Materie der Mitlauter und das unbestimmte der Vokale mit der erst späteren Einführung der Punktation ist ganz genau von demselben Prinzip beherrscht, das in dem Unterschiede zwischen dem geschriebenen und überlieferten Gesetz zur Geltung kam: Das Niederschreiben der Ueberlieferung wurde erst als Notwendigkeit gestattet. Der Hauptcharakter der Sprache besteht darin, daß sie stets im Bilden und Fortbilden begriffen ist und mit der größten Ungebundenheit von den festen Gesetzen sich immer neu gestaltet. Wie das jüdische Volk versteht sie mit beschränkten Mitteln einen ungeheuren Umsatz und ein reiches Leben zu entfalten.- Und sie ist auch durch und durch palästinensisch. Es sind Sinnbilder, die nie welken und nie altern — Sinnbilder aus den süßen Auen der Kindheit, aus den Fluren der Heimat. Sie entnahm der palästinensischen Natur ihre Grundlaute; so sprach

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