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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 197

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 197 (sequence 197)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 197 — Aber das Volk geht nicht zugrunde, solange sein Lied rauscht und seine Sprache schwingt. Nur ein Volk, welches den Wert seiner Sprache zu schätzen weiß, kann wahrhaft national fühlen und handeln. Wer für die Sprache kämpft, der kämpft damit auch für die Nation, und wenn erst einmal dem Volke die Wertschätzung seiner Sprache ins Herz gepflanzt worden ist, so daß es sie heilig hält gleich dem kostbaren Kleinode, dann ist auch ein großer Teil seines Kampfes hierdurch beendet, dann wird das Volk seines inneren Wertes bewußt, dann erst wird ihm jenes Gefühl zuteil, welches nationale Kraft verleiht und unvergängliche Taten schafft. Bezeichnen wir ja mit dem Wort „national" nicht allein die im Wesen eines Volkes, seiner Gesamtheit nach ursprünglich eingeborenen oder allmählich entwickelten Eigenschaften, welche es von anderen Nationen unterscheiden, sondern auch in bezug auf den einzelnen Volksangehörigen das Gefühl dieser Eigenschaften und das Bewußtsein von ihrem Werte, sowie endlich nicht minder das Bestreben, diese Eigenschaften ihrer ursprünglichen und edleren Art gemäß zu pflegen und weiter zu entwickeln. Eine gebildete Nationalsprache ist ein von den edelsten Geistern und Herzen errungenes Eigentum; jeder ließ jn ihr, jeder pflanzte in sie zur Aufbewahrung und Fortwirkung seine besten Gefühle und Gedanken, ein Frucht- und Blumengarten, in dem die Hände der Nation gearbeitet haben, seitdem diese da war. Und wenn Herder behauptet, die Sprache einer Nation sei ein Spiegel ihrer Geschichte, ihrer Taten, Freuden und Leiden, so frage ich: von welcher Sprache kann man dies mit mehr Recht behaupten, als von der hebräischen? Was unserem Stamm, unserem Volke im Lauf seiner Entwicklung begegnet ist, welchen Bestand an Sitte und Lebenserfahrung es aus den Ursitzen auf die Weltbühne des Völkerlebens mitgebracht hat, wie es damit hauszuhalten verstand und aus eigener, freier Kraft den Besitz erhöhte, wie es sich fremden Einflüssen gegenüber verhielt, das alles erzählt uns nur die hebräische Sprache. Sie ist die lebendige Geschichte unseres Volkes. In seiner Sprache lebt es die Vergangenheit und Zukunft zugleich, es schafft durch die Sprache unablässig an seiner Wiedergeburt in den kommenden Geschlechtern aus der Geisteskraft der früheren. Die hebräische Sprache schöpfte aus der unbewußten Tiefe unseres Volkes, oder vielmehr unser Volk schöpfte sein Wesen und die geistige Arbeit in der Veredelung der Gefühle und der Aufklärung des Verstandes, seine ganze Weltansicht in der ihm ureigenen Sprache. So oft unser Volk seine Sprache aufgegeben hat, ist ihm der wahre Quell seines Seins abgeschnitten worden. Seit Jahrtausenden ist Hebräisch das Band gewesen, welches neben der Religion uns noch zusammenhielt. Ja, nidit allein zusammenhielt, nein, als Form, in der die Werke unserer großen Dichter und Weisen Gestalt annehmen, die

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