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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 196

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 196 (sequence 196)
Language
German, English, Hebrew
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— 196 — schatten und siegreich trat sie von den Folterkammern aller Inquisitionen und Zensuren heraus. Mit urewiger Gewalt entzündete sie sich aus dem Schutt der Jahrtausende immer und immer wieder. Und wissen Sie, welche weltgeschichtlichen Verdienste unsere nationale Sprache hat? Nicht nur, daß sie der Welt die Bibel gegeben, sie hat auch die Sprachen der Völker veredelt und bereichert. Durch die Uebersetzung unserer hebräischen Bibel hat Luther die Sprache seines Volkes in deren packender populärer Handhabung zu einem nie vorher geahnten Fortschritt gebracht, und von der englischen Sprache bezeugt Addison, daß sie unermeßliche Verbesserungen und Beiträge dem Eindringen der Hebraismen durch die Uebersetzung der Heiligen Schrift zu verdanken habe.*) Bekanntlich waren es hebräische Studien, die die Reformation angebahnt haben**), und diese Stadt Basel, in der wir heute tagen und die für die Geschichte des Zionismus eine so große Bedeutung hat, war eben der Lern- und Lehrort, in dem die Pellicanus, Münster und Buxtorf im 16. und 17. Jahrhundert von den Quellen unserer Saadja Gaon, Juda, Chijug, Jona ben Gannach, Jarchi, Menachem ben Saruk, die Kimchiden, Abraham und Moses ibn Isra schöpften und hierdurch neues Licht in der christlichen Welt verbreiteten. Wir lächelten, als man uns fragte: Wo ist euer Schrifttum? Möge man doch die Bücher- und Handschriftenverzeichnisse der großen Bibliotheken durchblättern! Wo ist ein Volk vorhanden, das eine so alte und reichhaltige Literatur besäße wie das unsrige? Und diese Literatur und diese Sprache waren ja nicht für eine Priesterkaste oder Gelehrtenzunft bestimmt, und diese Bücher und Schriften waren ja nicht ein Monopol für Klostermönche, sondern Gemeingut, Volksvermögen! Kein Volk in der Welt hat es so tief verstanden wie das unsrige, welche Bedeutung die Sprache für die Erhaltung und die Entwicklung der Nationalität hat. Ja, was macht denn eigentlich eine Nation aus? Sind nicht außer der Abstammung Sitte und Sprache ihre Merkmale? Die Sprache ist eine Hochburg des Volkstums. Ein Geist der Ahnen schwebt durch die Sprache, ein trauter Hauch großer und lieber Vergangenheit. Erinnerung webt mit diesen Lauten die goldenen Faden, die nie verblassen. Wie ein blasser Sonnenschein gleitend sie irrend durch die Zeiten, die Sprache eines alten Volkes. Die kleinen Menschenseelen der Zwerge suchen sie zu haschen, um sie abzuschaffen; sie entweicht ihnen schattensacht. Nicht sie geht dem Volke verloren, sondern jene Volksteile, die ihr untreu werden, müssen wie ein morscher, verwitterter Block zusammenfallen. *) Our ianguage has received innummerable elegancies and improvements from that infusion öf Hebraismus which are derived to it out of the Poetical Passages of the Holy Writ. (Addison. Spect. No. 405). **) The Reformation has been often called a Hebraising Revival (M. Arnold. Cult. and An. IV (1882) 143).

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