Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 184)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 184 — jst klar, daß, wenn wir die Ansiedlung mit einem Zehntel der bisherigen Kosten bestreiten können, wir größere Chancen haben; aber noch viel größere Chancen hat die industrielle Kolonisation. Ich sagte Ihnen, die Türkei ist ein Agrarstaat, sie ist ein Land mit annähernd 30 000 000 Einwohnern. Und wenn Sie Aegypten dazu rechnen, sind es 40 Millionen Einwohner. Und 40 Millionen haben ein Industriebedürfnis, das groß genug ist, um heute schon viele Hunderttausende zu beschäftigen, und das groß genug wird, um im Laufe weniger Jahre, schon in 10 oder 20 Jahren, 10 Millionen Menschen zu beschäftigen. Sehen Sie sich die Verhältnisziffern in den anderen Ländern an. in Deutschland überwiegt die industrielle Bevölkerung die agrarische, in anderen Ländern geht es noch weiter. Wir können auf 40 Millionen Einwohner des größeren türkischen Reiches mit einer Einwanderungsbevölkerung von 10 Millionen, die vorwiegend von Industrie leben kann, rechnen. Hier haben Sie die große Möglichkeit, sie ist mindestens so groß und sicherlich besser inationa! und besser konzentrisch, als alles was wir im fernen Westen unternehmen können. (Beifall — Schlußrufe.) Ich bin schon am Schluß, meine Damen und Herren; indem wir diesem Industriebedürfnisse der gesamten Türkei entgegenkommen, haben wir die Möglichkeit, ein Maximum der aus nationalen und kulturellen ■Gründen wünschenswerten Konzentration der jüdischen Wanderung in und um Palästina herbeizuführen. Und nun will ich nur ganz beiläufig erwähnen, da Sie doch wahrscheinlich an meiner niedrigen Ziffer gezweifelt haben, daß neulich ein Anzüglicher und untadeliger Fachmann, Herr Direktor Auhagen, hier in einem Basler Vortrage auseinandergesetzt hat, daß 15 Olivenbäurne genügen, um eine Familie dort zu erhalten. Das sind Dinge, die weit innerhalb 1000 Francs gemacht werden können. Wir müssen nicht immer von einseitigen und fertig mitgebrachten Ideen ausgehen. Die landwirtwirtschaftliche Kolonisation ist noch unerforscht in ihren Hauptfragen, nämlich vom -Gesichtspunkte der Kostenfrage und einer großen Einwanderung. Das, womit Sie sich 30 Jahre beschäftigt haben, geht noch in Kinderschuhen einher. Lassen Sie sich von Herrn Direktor Auhagen sagen, was man tun muß, um ein Maximum landwirtschaftlicher Siedlung mit einem Minimum von Kosten in kürzester Zeit herbeizuführen. Aber das ist nur eine kleine Bestätigung der Ziffern, die ich Ihnen gebe. Nun komme ich zu einem Antrage und hoffe, der Herr Vorsitzende wird mir nicht verbieten, diesen vom Blatte zu lesen. Der Antrag lautet (liest): „Der Kongreß wolle die Schaffung eines zionistischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in Berlin und mit folgenden Zwecken beschließen: 1. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästina und anderen (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des osmanischen Reiches. 2. Verbreitung dieser Informationen. 3. Realisierung (resp. Beihilfe zur Realisierung) der gefundenen Möglichkeiten." Das ist mein Antrag, und nun werden diejenigen, die nicht gerne vorwärts gehen — und es gibt solche — sagen, wo kriegen Sie die Mittel her, Sie wollen schon wieder ein Institut schaffen. Wir haben doch keine Mittel! Wenn es die Ansicht der maßgebenden Herren hier, der Herren, die die Referate bestimmt und der Herren, die die Referate gehalten haben, gewesen ist, daß wir uns an der großen, allgemeinen Regelung der Auswanderungsfrage beteiligen sollen, so kostet das doch auch Mittel, oder wollten Sie es ohne Mittel tun? Die Frage der Mittel braucht uns eigentlich nicht zu schrecken. Sie setzen mich aber fortwährend in die