Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 181)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 181 — gebracht werden. Das ist kein Nachteil und für alle Fälle bin ich strenge bei der Sache. Del. Dr. Bodenheimer: Es gibt auch noch andere Zeitungsartikel. Wir können sie doch nicht alle verlesen! Del. Trietsch: Ich nagle fest, daß Herr Dr. Bodenheimer eben sagt: Wir können nicht alle Zeitungsartikel verlesen. Verständnis für die Fragen des Kongresses! (Zustimmung und Widerspruch.) (Liest): „In allen Zweigen des Handels haben die Juden in ziemlich großer Zahl ihr Unterkommen finden können. Mit Bezug auf das Handwerk kamen sie meist nur für die früher wenig entwickelten europäischen Bedürfnisse der Einwohnerschaft in Frage. Hierbei konnten sie anfänglich, abgesehen von dem eigenen Bedarf, nur auf das sonstige europäische Bevölkerungselement rechnen, wenigstens haben sich erst in den letzten Jahrzehnten auch unter der eingeborenen Bevölkerung europäische Bedürfnisse mehr und mehr geltend gemacht. Immerhin gab es einige Berufe, in denen die Juden auch den primitiveren Markt versorgen konnten. Zu diesen gehört beispielsweise die Klempnerei, die in manchen Gebieten des türkischen Reiches fast ausschließlich von Juden ausgeübt wird. Eine industrielle Arbeiterschaft hat es bisher so gut wie gar nicht geben können, da die Industrie infolge der eigentümlichen Zollverhältnisse, über die wir noch weiter sprechen werden, nicht wohl aufkommen konnte. Erwähnt sei schließlich noch, daß unter den Juden von Damaskus (arabisierte Juden) mehrere hundert in fabrikähnlichen größeren Werkstätten (deren Besitzer übrigens Christen sind) sich mit kunstgewerblichen Arbeiten beschäftigen, die nach dem Auslande verkauft werden, ohne daß man bisher viel davon wußte, daß diese wunderschönen und eigenartigen Arbeiten von Juden angefertigt werden/4 Meine Damen und Herren! Ich mache Sie darauf aufmerksam, hier kommt eine Frage, die den möglichen Umfang der jüdischen Auswanderung nach Palästina und dem Orient grundlegend berührt, eine Frage, der die Kongresse bisher, ich möchte fast sagen, sorgfältig aus dem Wege gegangen sind, die aber doch die überragende Bedeutung in dieser Sache hat und verdient. Infolgedessen bitte ich Sie, mir Ihre Aufmerksamkeit zu schenken, die ein recht kurzer Vortrag wohl verdient. (Liest): „Bezüglich der Zollverhältnisse lag die Sache bis vor kurzem so, daß die Türkei auf Grund ihrer Verträge mit den europäischen Mächten für alle importierten Waren nur einen einheitlichen Wertzoll von S,iu erheben durfte. Dieser geringfügige Zoll gab den Türken keine Möglichkeit, die Fabrikation europäischer Waren im eigenen Lande aufzunehmen. Denn bei so geringer Preisdifferenz war mit den hochentwickelten Industrieländern nicht zu konkurrieren. Im Jahre 1Q07 gelang es den Türken endlich mit großer Mühe, eine Erhöhung um 3o/o durchzusetzen, und seit der türkischen Erneuerung haben die maßgebenden Mächte in eine weitere Erhöhung von 11 auf 15 o/o gewilligt, die demnächst schon in Kraft treten dürfte. Damit hätten sich die Zollverhältnisse immerhin soweit gebessert, daß in einer ganzen Reihe von Branchen eine einheimische Industrie aufkommen könnte. Dazu gehören aber außer einer entsprechenden Höhe der Zölle auch Kapital und Arbeitskräfte, und über diese verfügt die Türkei gegenwärtig so gut wie gar nicht. Die Türkei ist ein Agrarstaat. Aber auch die Landwirtschaft wird so primitiv betrieben, daß hier noch große Verbesserungen not tun." (Unruhe.) Ich bitte, mir Aufmerksamkeit zu verschaffen. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Wäre es nicht vielleicht besser. Sie würden uns sagen, in welcher Zeitschrift dieser Artikel erschienen ist? {Heiterkeit und Beifall.)