Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 180

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 180 (sequence 180)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3725-3479867
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— ISO — Wir haben uns hier vornehmlich mit dieser osteuropäischen Einwanderung zu beschäftigen. Diese rekrutierte sich bis vor 30 Jahren zum weitaus größten Teil aus Leuten, die religiöser Motive wegen sich nach Palästina wandten. Erst seit den russischen Judenverfolgungen zu Anfang der achtziger Jahre begann die Einwanderung eines erwerbenden Elements, das in Konstantinopel und Smyrna städtischen Berufen nachging und in Palästina zwar die landwirtschaftliche Niederlassung erstrebte, jedoch mit dem Erfolge, daß auch hier heute das städtische Element die Zahl 'der Kolonisten um ein Mehrfaches übersteigt. Die ca. 35 Kolonien zählen heute einschließlich des jüdischen Arbeiterelements etwas über 8500 Seelen. In denselben dreißig Jahren, die diese Entwicklung in Anspruch nahm, kam Jaffa von ca. 100 Juden auf 10 000 und Jerusalem von ca. 14 000 auf 60 000. Die Einwanderung der letzten Jahre betrug nach Abzug einer kleinen (häufig übertriebenen) Auswanderung etwa je 2000 Seelen. Immerhin zeigt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte etwa alle 16 Jahre eine Verdoppelung der gesamten Judenziffer Palästinas, die so regelmäßig erscheint, daß man mit einem weiteren Wachstum in ähnlicher Proportion auch ohne durchgreifende Aenderungen wird rechnen können. Das will schon nicht wenig besagen. Um so größer werden die Chancen der Bildung einer nationalen Konzentration, wenn man mit einer wesentlichen Steigerung, einerseits der jüdischen Palästinatätigkeit und andererseits der Aufnahmefähigkeit des Türkischen TSeiches rechnet. Von solchen Möglichkeiten wollen wir nunmehr sprechen. Wir haben gesehen, daß auch die neuere Einwanderung nach Palästina, die ausschließlich unter dem Zeichen der landwirtschaftlichen Kolonisation vor sich ging, doch ein Resultat gezeitigt hat, dessen städtische Ziffern sehr viel größer sind als die Einwohnerzahl der Kolonien. Dies ist kein Zufall, und ähnliches hat sich auch in Argentinien gezeigt, wo1 seit 20 Jahren auf ausschließlich landwirtschaftlicher Basis eine Einwanderung begann, die heute trotz riesiger aufgewandter Mittel als Resultat eine landwirtschaftliche Bevölkerung von 20 000 und eine städtische von ca. 70 000 aufweist. In Nordamerika ist in den letzten 30 Jahren die jüdische Bevölkerung von etwa 100 000 auf über zwei Millionen angewachsen. Hier war freilich von Landwirtschaft nicht die Rede. Aber daß eine Einwanderung auf Basis städtischer Berufe so ungeheure Ziffern, mit nicht allzu großen Störungen im neuen Lande, ansässig machen konnte, spricht, wenn nicht gegen die landwirtschaftliche Kolonisation, so doch außerordentlich für die städtische! Es fragt sich nun, w i e wohl der Erfolg der jüdischen Auswanderung nach Palästina und der Türkei hätte sein können, wenn man von vornherein die den Juden so viel natürlicher gewordenen städtischen Berufe mit in Betracht gezogen hätte. Die städtische Kolonisation umfaßt in der Hauptsache die kaufmännischen Berufe, das Handwerk und industrielle Beschäftigungen. Der Handelsstand ist hierbei im größten Umfange gedacht, nämlich vom Großkaufmann bis zum Kleinhändler und dem Hausierer, der von einem städtischen Zentrum aus die Dörfer der Umgegend besucht. Vizepräsident Stand: Ich glaube, Sie lesen eine ganze Broschüre vor. Das geht denn doch nicht an. Ich bitte Sie, sich strenge an das Thema zu halten. Del. Trietsch: Ich bitte Sie, ich soll mich zum Thema halten! Der Herr Vorsitzende sagte mir, er glaube, ich lese eine Broschüre. Es ist keine Broschüre. Es ist ein gewöhnlicher kleiner Zeitungsartikel, es ist eine kleine Ausarbeitung. Ich halte es für besser, daß sorgfältig gearbeitete Ausführungen in Form von Referaten und wohlvorbereiteten Reden vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.