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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 179

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 179 (sequence 179)
Language
German, English, Hebrew
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— 179 — Herr Katzenelsohn hat weiter gesagt, es gibt außerdem noch Versuche einer systematischen Kolonisation, aber die sind zu unbedeutend, um davon zu sprechen. Meine Herren! Die zionistische Bewegung war einmal ein systematischer Versuch. Wenn wir uns auf den Standpunkt gestellt hätten, daß nur das, was schon angefangen worden ist, wert ist, besprochen zu werden, dann hätten wir keinen Kongreß. (Del. Katzenelsohn: Außerzionistische Versuche!) Mag sein! Herr Katzenelsohn sagt: „Außerzionistische Versuche/' Ich weiß es nicht, aber vielleicht hätten die uns auch einiges zeigen können. Wenn wir vor uns haben systematische außerzionistische Arbeit und unsystematische zionistische Arbeit, so ist die systematische außerzionistische Arbeit sicher ein besseres Beispiel für uns als die unsystematische zionistische Arbeit. Ich komme nun mit einigen Worten auf die Bemerkungen des Herrn M o t z k i n. Herr M o t z k i n hat in scharfen und klaren Worten ausgedrückt, daß die zionistische Lösung der Frage nur eine theoretische ist, einstweilen, da wir nicht über die Mittel der gesamten Judenheit verfügen. Wir werden niemals über die Mittel der gesamten Judenheit verfügen, und was er sagte, ist auch deshalb falsch, weil wir die Palästinaarbeit auch als eine Arbeit der gesamten Judenheit betrachten, und auch da warten wir nicht darauf, bis wir die Mittel der gesamten Judenheit haben. Er hat also das grundlegende Mißverständnis begangen, die zionistische Bewegung als eine Palästinasache und nicht in weitaus überwiegender Weise als eine Sache des jüdischen Volkes und seiner Auswanderung aufzufassen. Wir wollen keine Antithese zwischen Volk und Land! Es ist schließlich, wenn wir in dem Sinne einig sind, nur eine Frage von Worten. Das, was wir wollen, könnte der Lösung nahegebracht werden durch Arbeit im Lande, indem wir es für das Volk vorbereiten, oder durch Arbeit in dem Volke, indem wir es nach dem Lande führen. Es ist eine Synthese, es führt zu einem Gemeinsamen. Nun noch eine kleine Wiederholung. Herr M o t z k i n sagte, wir müssen uns an den Palliativmitteln beteiligen, weil er der Ansicht ist, die er hier geäußert hat und die ich auch von früher her von ihm schon kenne, daß die zionistische Lösung der Emigrationsfrage nicht in naher Zukunft liegt und heute keinen großen Umfang hat und haben kann. Nun, meine Damen und Herren, sozusagen ein positiver Teil. Ich habe keinen Auftrag zu einem Referat erhalten, aber bevor ich wußte, daß diese Frage hier besprochen werden soll, habe ich eine kleine Arbeit über Palästina und die neue Türkei geschrieben und daraus möchte ich Ihnen einiges vorlesen. Sie werden darin in einer abgerundeten Form, die ja immer vorzuziehen ist, das Hauptsächliche dessen finden, was man auf einem Kongresse über diese Sache von meinem Standpunkte aus sagen kann (liest): Gegenwärtig leben im Türkischen Reiche etwa 500 000 Juden, die sich wie folgt auf die Hauptgebiete des Landes verteilen: Europäische Türkei ca. 190 000, Asiatische Türkei ca. 290 000, Tripolitanien (Nordafrika) ca. 20 000. Zum Teil sind diese Juden Nachkommen der von jeher in diesen Länderkreisen Ansässigen, zum Teil sind sie seit den Verfolgungen in Spanien und Portugal nach der Türkei gekommen, und schließlich hat sich — vornehmlich im letzten Jahrhundert — eine jüdische Auswanderung von Osteuropa her nach der Türkei gewendet. Im großen und ganzen sind die Juden der asiatischen Türkei in der Hauptsache der ersten der genannten Kategorien zuzurechnen, und die der europäischen Türkei sind zum größten Teil S p a - n i o 1 e n. Von der erwähnten osteuropäischen Einwanderung entfallen etwa 2/3 auf Palästina, während der Rest sich größtenteils in Konstantinopel und Smyrna niedergelassen hat.

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