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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 175

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 175 (sequence 175)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476274--3720-3479862
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— 175 - sicher sein, daß ein solcher Emigrationskongreß unseren Zwecken dienen wird. Ein solcher Emigrationskongreß ist selbstverständlich zugleich eine praktische Frage. Nach dieser Richtung hin kann es passieren, daß ein Emigrationskongreß unseren und den allgemeinen Zwecken auch nicht dienlich sein wird. Ich will Ihnen sozusagen diese Eventualität vorführen. Nehmen Sie an, daß der geplante Emigrationskongreß nur die Vertreter der Zionisten, der potentiellen Territorialisten und noch ein paar solcher Gruppen umfassen würde. Dann allerdings wäre dieser ganze Kongreß zwecklos, denn er würde nur darauf hinauslaufen, die alten Kämpfe, die uns auch in Brüssel beschäftigt haben, noch einmal aufzurollen, und zwar in einer Weise, die absolut niemandem irgendeinen Dienst erweisen könnte. Wenn aber die Gewähr dafür vorhanden sein wird, daß eine große Reihe, wenn nicht alle Vertretungen, sagen wir der Juden — ich möchte nicht nur sagen, des jüdischen Volkes — Organisationen, Gemeinden, teilweise Vereine und auch vielleicht dort, wo es möglich ist, einfache Judenvertreter, Vertreter von großen jüdischen Gruppen, zusammenkommen, dann ist für uns eine Tribüne geschaffen, von der wir einerseits die gesamte Regelung der Auswanderungsfrage ganz ohne Hintergedanken — ohne von unserem Ziele abzugehen — besprechen können, einfach im Sinne der weiteren Förderung dieser Aufgabe, und wir werden zu gleicher Zeit das aufstellen können, was wir im nationalen Sinne für wichtig ^halten, was wir für einen jüdischen Emigrationskongreß für dringend und unentbehrlich erachten. Darum erlaube ich mir, ohne auf die technischen Einzelheiten einzugehen, Ihnen meine Gedanken in folgenden Sätzen zu formulieren, denen Sie vielleicht auch Ihre Zustimmung geben werden, (liest): „Der Zionismus erblickt in der Wanderung der jüdischen Massen nicht nur ein Resultat allgemein-wirtschaftlicher Verhältnisse, sondern in erster Reihe eine Folgeerscheinung der historischen Judennot. Der Zionismus glaubt darum, daß die endgültige Lösung dieses Problems historisch mit der Lösung der Judenfrage, d. h. mit der territorialen Konzentrierung in Palästina verknüpft ist. Die zionistische Organisation glaubt jedoch an die Möglichkeit dieser Lösung erst für jenen Zeitpunkt, in dem der Zionismus einerseits die gesamte Judenheit repräsentieren und über ihre Machtmittel verfügen, andererseits im Orient, speziell in Palästina noch weitere positive Leistungen aufweisen wird. Für die nächste Zukunft jedoch erblickt der Zionismus in jeder Erleichterung und Regelung der Emigration eine temporäre Lebensfrage der bedrängten Massen, an der Vertreter aller nationalen Gruppen mitzuarbeiten verpflichtet sind. Von unserer Gesamtauffassung ausgehend, sehen wir des weiteren in jedem Streben, das auf die Zerstreuung und Pulverisierung der Judenmassen ausgeht, eine antinationale Tendenz, welche geeignet ist, die Auflösung des jüdischen Volkstums zu fördern und die jüdischen Massen zu entnationalisieren. Sowohl aus diesem Grunde als aus verschiedenen anderen schließt sich der Zionismus allen Bestrebungen nach Gesamtorganisierung und Demokratisierung der Auswanderungshilfe an. Er glaubt, daß es eine Reihe produktiver Anregungen und wichtiger Reformen auf dem Gebiete des Auswanderungswesens gibt, die ,nur infolge eines Meinungsaustausches der verschiedenartigsten Elemente zutage gefördert werden können. Der Zionistenkongreß begrüßt darum mit Freuden die Idee des Emigrationskongresses und mahnt alle Elemente im Judentum zu einer Beteiligung am Kongreß.

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