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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 172

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 172 (sequence 172)
Language
German, English, Hebrew
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— 172 — Die erste Frage: Haben wir uns überhaupt an den Auswanderungsarbeiten zu beteiligen? Die Antwort haben wir längst erteilt, wir haben gesagt, daß die Auswanderungsfrage ein Problem ist, daß sie nur ein Teil ■der allgemeinen Judennot ist, daß sie nur der präziseste Ausdruck der Judennot ist. Die Behebung der Judennot kann nur auf dem Wege des Zionismus geschehen, d. h. durch Konzentrierung der Juden im Judenlande. Diese Antwort ist aber eine theoretische, solange wir nicht über die gesamten Machtmittel des Judentums verfügen, solange uns nicht die Bedingungen gegeben sind, um wirklich eine große Auswanderung der Juden nach dem Judenlande zu bewerkstelligen. Und da wir uns durchaus nicht Illusionen hingeben können, schon infolge der Tatsache, daß wir 14 Jahre am offiziellen Zionismus arbeiten — vom voroffiziellen schon gar nicht zu. reden — und noch lange nicht so weit gekommen sind, daß wir voraussehen können, wann das gesamte Judentum mit uns gehen wird — da wir uns in einem solchen Zustande befinden, können wir mit unserer allgemeinen Antwort zwar immer wieder5 zum ganzen Judentume grundsätzlich kommen, und wir können unsere Antwort immer als Hauptprinzip voranstellen. Aber diese Antwort können wir nicht auf die Dringlichkeitsfrage derer geben, die wirklich so bedrängt sind, daß sie auswandern müssen, daß sie nicht weiter warten können. » Sehen Sie, der gesamte Komplex der gegenwärtigen zionistischen Arbeiten teilt sich in verschiedene Spezialgebiete. Die einen Spezialgebiete resultieren aus dem Begriff des Zionismus selbst. Propaganda, Vorbereitung des jüdischen Volkes, Erziehung der jüdischen Jugend — all das resultiert aus dem Zionismus selbst. Dann schließen sich iaber weitere Aufgaben an, die nur aus der einen Frage resultierten, ob wir daran mitarbeiten wollen, daß das jüdische Volk weiter existieren soll, ob wir mitarbeiten wollen an der einfachen Erhaltung des jüdischen Volkes. Und wenn es eine Aufgabe gibt, die zur Erhaltung des jüdischen Volkes am stärksten beiträgt, so ist es zweifellos die auch nur zeitweilige palliative Regelung der Auswanderungsfrage. Wir geben uns keinen Täuschungen hin, daß wir die Judenwanderung voll und ganz regeln können. Wir wissen ja, daß wir uns Zionisten für die Zukunft nicht solchen Hoffnungen hingeben. Aber auch die palliative Regelung, die dahin geht, zur Erhaltung des Judenvolkes alles mögliche zu tun, ist schon von so ungeheurer Wichtigkeit, daß diese Aufgabe zweifellos unter sämtlichen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Aufgaben des Judentums die erste Rolle einnimmt. Darum können wir diese Frage absolut nicht umgehen. Wir können sie um so weniger umgehen, als sie fortwährend an uns pocht, als sie uns zwingt, die Antwort darauf zu geben. Nun käme die zweite Frage: Sollen wir daran arbeiten als Juden oder als Zionisten? Es ist selbstverständlich, daß wir im großen und ganzen daran als Juden zu arbeiten haben, daß es aber Momente gibt, in denen wir unbedingt unseren zionistischen Standpunkt festlegen müssen, weil uns der zionistische Standpunkt in vielen Punkten zu einer gewissen Stellungnahme zwingt. Verehrter Kongreß! Der Auswanderungsstrom geht eigentlich bis jetzt im Sinne der Konzentration. Es ist ein gewisser wirtschaftlicher und volkspsychologischer Prozeß, daß die wandernden Juden sich gewöhnlich konzentrieren. Es ist charakteristisch, das z. B. die Juden in London in zwei Stadtteilen von zehn 92 'Prozent der gesamten jüdischen

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