Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 171)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 171 — die Frage nicht zu erörtern. Andere Zionisten sagen: Wir haben zwar die Antwort auf das Auswanderungsproblem in vollem Maße nicht erteilt, aber wir haben überhaupt Iceine Antwort auf diese Frage. Und die dritten Zionisten sagen: Wenn wir selbst eine Antwort auf diese Frage hätten, wenn wir selbst der Ansicht wären, daß wir mit dem Auswanderungsproblem uns zu befassen haben, genau so wie die anderen, dann wäre es eine Verschwendung, eine Verbrauchung ,von Kraft, die wir uns bei unserem bisherigen Zustande nicht .leisten dürfen. Ja, wenn wir wirklich schon das! ganze Judentum repräsentierten, wenn wir alle Judenkräfte in uns vereinigten, sagen sie, dann hätten wir die Pflicht, so zu verfahren, daß wir alle Aufgaben des Judentums erledigen müssen. Solange wir aber nur einen kleinen Teil des Judentums repräsentieren, sollen wir uns begnügen, uns mit unseren intimsten Aufgaben zu befassen und nicht darüber hinauszugehen. Dieser Komplex von Auffassungen, von denen die Herzen und Gedanken der Zionisten bald mehr, bald minder erfaßt sind, hat es bewirkt, daß nur ein Bruchteil des Kongresses, ein Bruchteil der Zionisten in Wirklichkeit für diese Frage nicht nur als Menschen, sondern auch als Zionisten Interesse hat. Da ich aber bis zu einem gewissen Grade selbst zu jedem Teile dieser Gruppen gehöre, war es mir sehr schwer, diese Aufgabe zu übernehmen. Wenn ich mich doch veranlaßt sah, meinerseits an diese Aufgabe heranzutreten, so war es nur folgendes. Ich sagte mir, es geht nicht an, daß der Zionismus über eine Lebensfrage des Judentums hinweggeht, oder daß er über sie mit den verschiedenartigsten Ansichten und Aeußerungen, mit den verschiedenartigsten Gedanken hinweggeht. Es ist notwendig, daß die Zionisten sich selbst an dem Orte, an dem sie ihre wichtigsten Fragen besprechen, klarmachen sollen, wie sie sich gegenüber den Grundproblemen dieser Frage stellen. Es geht nicht an, nachdem in den letzten Jahren die Auswanderung der Juden aus Rußland, zum Teil auch aus Galizien solche Dimensionen angenommen hat, daß bereits die Auswanderung in manchem Jahre den Zuwachs der jüdischen Bevölkerung übersteigt — es geht nicht an, daß zu einer Zeit, wo die Auswanderungsfrage tatsächlich die gesamte russische Judenheit als solche interessiert, daß sie innerhalb unserer Kreise völlig als quantite negligeable, als etwas, was wir übersehen können, was wir nicht zu behandeln brauchen, betrachtet wird. Zu welchen Resultaten wir auch gelangen werden, jedes klare Resultat ist besser als eine völlige Nicht-Stellungnahme, Das war meine Ansicht, und deshalb erlaube ich mir, Ihnen meine Anschauungen darüber kundzugeben. Ich habe nicht die Absicht, auf die gesamte Frage in allen ihren technischen Einzelheiten einzugehen. Ich will Ihnen nicht erst klarmachen, was es alles für Aufgaben bei der Auswanderung gibt. Erstens hat mein Vorredner gerade diese Aufgaben mit einer Fülle von Materialien behandelt. Zweitens glaube ich, handelt es sich nicht darum, alle technischen Einzelheiten am Kongreß zu besprechen, sondern nur die allgemeinen Prinzipien hier festzustellen. Denn wir würden auch ganz inkompetent sein, wenn wir auf die Einzelheiten der Auswanderungsfrage hier innerhalb unseres Forums eingehen wollten. Nun möchte ich auf die Prinzipien eingehen. Die erste Frage, die uns vorliegt, ist folgende: Haben wir uns an den Auswanderungsarbeiten zu beteiligen oder nicht? Haben wir als Zionisten daran mitzuarbeiten oder nicht? Haben wir an einer allgemeinen jüdischen Organisierung dieser Arbeiten mitzuarbeiten? Haben wir, wenn wir daran mitarbeiten, bestimmte Wünsche und besondere Aufgaben daran zu knüpfen? Ich werde auf diese vier Fragen die Antwort zu erteilen versuchen.