Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 170)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 170 — Meine Damen und Herren! Wenn ich Ihnen diese Wünsche ans Herz lege, so brauche ich wohl nicht zu bekräftigen: Nicht der Delegierte von hunderten von SCbekelzahlern, nicht der einzelne Mensch, der irgend welche Wünsche hegt, hat zu ihnen gesprochen, es sind Hunderttausende von Menschen, die nach Hilfe schreien. Ein solcher Ruf von dieser Tribüne, wo wahre Sympathie für das jüdische Volk zum Ausdruck kommt, wird nicht fehl gehen. Wir müssen uns alle vereinigen, die amerikanischein Brüder und die europäischen, um zu schaffen, was möglich ist, denn nur durch das Zusammenwirken aller kann das große Werk zustande kommen. Den amerikanischen Brüdern rufe ich zu: Ihr seid verpflichtet, für den Emigranten von heute zu arbeiten, denn Ihr seid selbst Emigranten von gestern. (Lebhafter Befall und Händeklatschen.) Und Euch, meine Freunde, den russischen Brüdern, .sage ich: Ihr seid noch mehr verpflichtet für die Emigranten zu arbeiten, denn Ihr seid die Emigranten von morgen! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Gestatten Sie mir, bevor ich dem Herrn Korreferenten Motzkin das Wort erteile, folgende zwei Mitteilungen zu machen: Die Ausstellung des I. N. F., des Bezalel, des Frauenverbandes und verschiedener anderer in Palästina wirkender Institutionen wird heute nach v Schluß dieser Sitzung eröffnet. (Beifall.) Es haben gewiß alle mit Ungeduld diesen Moment erwartet, den Hindernisse unvorhergesehener Art hinausgeschoben haben. Nun aber erfolgt endlich die Eröffnung der Ausstellung oben im Kasinogebäude, und wir laden Sie zu zahlreichem Besuche ein. (Lebhafter Beifall.) Wie ich bereits an der Freitagssitzung verkündete, haben die beim Kongresse anwesenden Aerzte, Delgierten und Gäste einen Verein gebildet, der die Förderung der hygienischen Interessen in Palästina zum Zwecke hat. Dieser Verein hat aus seiner Mitte drei Mitglieder gewählt, die Herren Dr. Benderski, Dr. Beham und Dr. Feigenbaum, die er in die Paiästinakommission kooptiert habem möchte. Der Versitzende des Ausschusses, Herr Prof. W a r b u r g, hat nichts dagegen, und wenn von Seiten des Kongresses kein Widerspruch erfolgt (niemand meldet sich), betrachte ich die genannten drei Herren als kooptiert. (Zustimmung.) Und nun erteile ich dem Korreferenten H. M o t z k i n das Wort. Korreferent Leo Motzkin (mit Beifall begrüßt): Geehrte Gesinnungsgenossen und .Gesinnungsgenossinnen! Als die Aufforderung an mich kam, hier über die Auswanderung zu sprechen, war ich mir selbst darüber nicht ganz klar, ob es angebracht wäre, diese Frage auf der Tribüne des Zionistenkongresses anzuschneiden, ob es wirklich zweckmäßig ist, diese Frage auf dem Zionistenkongresse zu beraten. Ich wußte von vornherein, daß sie den Zionistenkongreß sehr kühl stimmen wird, daß sie ihn nicht in der Seele erfassen wird, und zwar aus folgenden Gründen: Die Zionisten teilen .sich, wenn eine solche Frage aufgeworfen wird, in verschiedene Gruppen, die alle die Erörterung dieser Frage so ziemlich für überflüssig halten. Die einen Zionisten erklären, die Antwort auf die Frage der Auswanderung haben wir bereits längst theoretisch erteilt im Zionismus, und eine andere Antwort haben wir nicht. Folglich brauchen wir