Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 169)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 169 — nicht mit so beschämend kleinen Ziffern in der Statistik figurieren wie jetzt Nicht die Verhältnisse an Ort und Stelle also sind schuld daran, schuld daran ist, daß bisher so wenig getan worden ist. Und nun komme ich zu einem dritten, eben so wichtigen Punkte, das ist die Nationalisierung oder, wie ich mich lieber ausdrücken will, die Frage der Entnationalisierung der Emigration. Alle Gelehrten, Kapp, Say usw. konstatieren: Die Auswanderung ist ein Grab für die Nationalität. Der Deutsche, der auswandert, ist kein Deutscher mehr. Say sagt, die Millionen Auswanderer sind wie ein Heer ausgerüstet, und wie sie über die Grenze kommen, Werfen sie ihre Gewehre hin und zerstreuen sich. Nun gottlob, so ist es bei uns Juden nidh't. Die Juden, die nach Amerika gehen, bleiben Juden ebenso wie früher. (Beifall.) Aber das Moment der Auswanderung ist ein Moment des schwankenden Sinnes beim Menschen, er ist dann allen Einflüssen zugänglich und sehr leicht für alles zu haben. Wir in Libau haben gesehen, wie die Emigranten still in der Ecke saßen und weinten; wir haben sie auch mit der roten Fahtae in der Hand beim Abstoßen des Dampfers die Internationale singen hören und haben sie aber auch mit der blauweißen Fahne gesehen, die Hatikwah singen. (Beifall.) Hier ist ein Gebiet, das gar nicht groß genug sein kann, und diese Aufgabe liegt bei Euch, Zionisten: Sorgt dafür, daß der Emigrant wie ein Bruder aufgenommen wird, daß ihm Vorträge und Belehrungen zugänglich gemacht werden, daß er sicher sein kann, daß überall einer ist, ein Bruder, der ihm aus der Not hilft. Das wird mehr zur Nationalisierung der Emigration beitragen als alles andere. Das ist eine Pflicht, die gar nicht ernst genug genommen werden kann. Und nun, meine Damen und Herren, bin ich zu Ende. Ich erlaube mir dem hohen Kongresse eine Resolution vorzutragen, die dasjenige, was ich mir darzulegen erlaubt habe, ungefähr zusammenfaßt. Sie lautet (liest): „Der X. Zionistenkongreß konstatiert, daß die bisherigen Versuche £ur Regelung der jüdischen Emigration bei weitem ungenügend und nicht einheitlich sind. Er appelliert in erster Linie an das jüdische Volk und an die Organisationen, die sich an diesem iWerk betätigen, um eine großzügige einheitliche Organisationsarbeit, die dem Ernst der Frage entspricht zu inaugurieren. Der Kongreß fordert insbesondere von den Zionisten und den zionistischen Organen: 1. Eine ernste Mitwirkung an dieser wichtigen Gegenwartsarbeit und Erhaltung des Auswandererelements für das nationale Judentum. 2. Eine Förderung der Emigration nach dem nahen Orient, insbesondere nach Palästina und Syrien."