Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 167)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 167 — für sich und das ist der Hauptfehler. Er bewirkt, daß das was geschieht, uneinheitlich und unorganisiert ist. Nun komme ich auf das Zentralkomitee der Ica in Rußland zu sprechen. Das Zentralkomitee der Ica in Rußland hat mit den wenigen Mitteln, die ihm zur Verfügung gestellt sind, doch einen Apparat geschaffen, der in manchen Punkten Gutes leistet, aber eben nur im Verhältnis zu den Mitteln, die ihm zur Verfügung gestellt worden sind, und wenn ich Ihnen sage, daß die Mittel zirka 50 000 Rubel das Jahr betragen, mit denen man in die Emigration von 100000 Menschen einzugreifen sich bemüht, so müssen Sie zugeben, daß das ein Tropfen im Ozean des Leides ist. Was die Alliance anlangt, so habe ich bei der vorjährigen Konferenz in, Libau sehr viel Klagen hören, daß an verschiedenen Punkten, in Myslowitz u. a. Orten, sehr viel an den Emigranten gesündigt wird, daß die Hilfe unverzeihlich gering ist oder, wie von vielen Seiten behauptet wird, ganz fehlt. Ich will von anderen Organisationen nicht mehr sprechen. Es hätte keinen Zweck; aber Sie werden alle zugeben: W«as bis jetzt geschehen ist, ist beschämend wenig. Man kann nicht eine so ernste Sache wie die Emigration, bei der das Schicksal von 100 000 Menschen auf dem Spiele steht, in dieser Weise behandeln; man kann den Kampf nicht mit Kindergewehren führen, das ist lächerlich, das ist meiner Ansicht dieser Institution unwürdig, die Emigration so zu bekämpfen wie es bisher geschieht. Hier ist ein großes Arbeitsgebiet. Es müßte weit über das Programm eines Kongresses hinausgehen, wenn ich aufzählen würde, was man alles bei der Emigration zu tun hat. Sie werden es als selbstverständlich voraussetzen, daß ich absolut nicht dafür bin, daß man die Emigration irgendwo unterstützt und den Leuten bare Hilfe zur Emigration gibt. Das würde ich für das größte Unglück1 halten. Aber die Regelung der Emigration selbst in bezug auf das nicht Vorauszusehende, die Krankheiten der Augen, die Paßschwierigkeiten, die Schwierigkeiten mit den Agenten usw., einfach auf das, was dem Emigranten unterwegs geschieht — schon das alles erfordert einen sehr großen Apparat. Und doch ist das nur ein ganz kleiner Teil von dem, was zu geschehen hat. Viel mehr muß geschehen, um den Emigranten von vornherein auf sein zukünftiges Leben vorzubereiten, in bezug auf Sprachkenntnis, Gesundheit der Augen usw., den Arbeitsnachweis, was und wie er zu arbeiten hat, wohin er gehen soll. Noch mehr muß geschehen, wenn er bereits im Lande der Immigration ist, daß er die Möglichkeit hat, sich richtig anzusetzen an der Stelle, an die er hingehört, und sich nicht ausbeuten zu lassen. Es sind wohl einige Versuche einer systematischeren Etaiigration gemacht worden. Aber das ist so unbedeutend, daß es kaum lohnt, es vorzutragen.