Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 166)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 166 — Die Notwendigkeit einer Organisation der Auswanderung Haben alle Völker ohne Ausnahme eingesehen. In Deutschland wird viel z!ur Regelung der Organisation gearbeitet. Unter Vorsitz des Kanzlers werden von der Regierung alle Maßnahmen getroffen, um die Organisation der Kolonisation und Auswanderung zu regulieren. Es gibt eine Anzahl von Vereinen, die sich der Emigration annehmen. In Italien hat die Regierung ein Budget von Millionen. Bloß für Auskünfte werden 1 380 000 Frcs. ausgegeben. Für Krankheit und andere Dinge wird eine große Summe verwendet. Jeder Konsul hat Gehilfen, die mit den Emigranten in weiterer Verbindung zu bleiben und ihr Schicksal zu erfahren haben, um in der Lage zu sein, ihnen Auskünfte zu geben. In Neapel genügen 23 Beamte nicht, um die Auswanderung zu beobachten und m regeln. Ich will nicht von anderen Staaten sprechen, von Ungarn und Belgien, wo sehr viel geleistet wird, und zwar bei einer Emigration, die eigentlich ohne Schwierigkeiten vor sich geht. Dort kennt man nicht die Schwierigkeiten der Pässe, dort kennt man nicht das schiwoh medurey gehinem, all das, was der russische Auswanderer durchzumachen hat, bis er überhaupt die Möglichkeit hat, auszuwandern. Er muß alle Instanzen der russischen Polizei durchgehen, und Sie wissen, was all diese Bekanntschaften kosten. (Heiterkeit.) Wenn man sieht, was für die jüdische Auswanderung — die größte unter allen, die sich unter den abnormsten Verhältnissen} abwickelt — geschehen ist, wird man zu der Erkenntnis kommen: Es ist beschämend wenig, es ist beinahe gar nichts geschehen. Ich muß sagen, als ich in Libau tagtäglich, stündlich alle diese Leiden der Emigranten zu hören bekam und häufig hilflos dastand,, ist mir erst klar geworden, was es heißt: al tiwku lames bedhu woche laheilech — weinet nicht über den Toten, weinet über den Wanderer! (Lebhafte Zustimmung.) Was ist nun bei uns zur Abhilfe dieser großen Elementarnot geschehen? Bis vor 10 Jahren, wo die Frankfurter Konferenz standfand, ist überhaupt nichts geschehen, in Frankfurt hat man die Aufgabe unter die verschiedenen Organisationen verteilt. In Deutschland sollte der Hilfsverein der Deutschen Juden es übernehmen, in Rußland das Zentralkomitee der Ica, in Oesterreich die Alliance usw.; Seitdem müssen wir konstatieren, daß doch eine Organisation existiert. Ich will gleich von dem Besten anfangen und das ist von den Leistungen des Hilfsvereins der deutschen Juden. Ich muß mit Freude konstatieren, der Hilfsverein der deutschen Juden hat sehr viel Herz und sehr viel Seele der Sache entgegengebracht. (Beifall.) Früher war geplant, daß der Hilfsverein die Zentrale sein und die Sondervereine mit ihm zusammenarbeiten sollten. Das ist leider nicht geschehen. Die anderen Vereine arbeitein