Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 165)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 165 — ziehen den europäischen Ländern das beste Blut. Jeder Arbeiter bereichert unser Land; mögen sich die europäischen Länder um diese Frage kümmern. Wir braudien es nicht zu tun. Roosevelt sagt weiter: die Juden haben das Land aufbauen geholfen. Der Expräsident C1 e v e 1 a n d sagt: Wenige, wenn überhaupt eine von den das amerikanische Volk bildenden Nationalitäten haben direkt oder indirekt mehr Einfluß auf die Ausbildung des modernen Amerikanismus ausgeübt als die jüdische. Meine Damen und Herren! Dort, wo solche Anschauungen herrschen, ist kaum etwas zu befürchten. Aber ich will Ihnen auch;xnit faktischen Beweisen kommen. Ein Einwanderer hat nach amerikanischen Feststellungen einen gewissen Kapitalswert. Es schwanken hier die Gelehrten — die Namen will ich Ihnen nicht alle nennen — wie groß der Wert eines Menschen ist, der hierher kommt. Und die geringste Schiätzung ist, daß ein Mensch 8000 M. wert ist. Wenn Sie bedenken, daß Rußland jährlich 100 000 Menschen abwirft — das ist ein Kapital von 800 000 000 M. jährlich, das Rußland dem amerikanischen Volke gibt — so werden Sie sagen, daß der kluge Yankee sich solche Einnahmen nicht wird entgehen lassen. Das ist ihm viel zu kostspielig. Aber wir Juden haben außerdem! -auf Amerika ganz hervorragende Rechte. Sie wissen alle, daß die Entdeckung Amerikas der jüdischen Wissenschaft, dem jüdischen Gelde und der jüdischen Arbeit zu verdanken ist. Der erste Mann, der den amerikanischen Boden betreten hat, war bekanntlich der Jude Louis d'Torres. Noch größer sind die Verdienste, die wir uns um Amerika während der Jahrhunderte erworben haben. Wer sich darüber informiert und ein Kapitel von Sombart darüber nachliest, wird sehen, welche Stellung wir in der Entwicklung Amerikas eingenommen üaben. Es gibt einen noch viel wichtigeren Grund als alles, was ich genannt habe, und das ist die Moral. Ich werde nie glauben, daß das freie Amerika imstande ist, Leute, die aus einem brennenden Hause fliegen, wieder in das Feuer zurückzustoßen. In einem Lande, wo die Dame aus Erz an der Einfahrt von New York mit der Fackel in der Rechten leuchtet und die Aufschrift trägt: Freiheit regiert das Land, ist so etwas ausgeschlossen. Ich bin fest überzeugt, so viele Restriktionisten in Amerika auch schreien werden, sie werden nie erreichen, daß man dem jüdischen Volke die Möglichkeit nimmt, sich bis zur richtigen Lösung der Frage einstweilen dort ausleben zu können. Was mich aber sehr bedrängt und bestürzt, das sind nicht die schlechten Aussichten von seiten der Restriktion, sondern das ist die Plan- und Systemlosigkeit, mit der unsere Emigration vor sich geht. Hier liegt ein viel ernsteres und tieferes Moment, und hier, meine Verehrten, muß ich mich wieder an der Hand von einigen Daten und Zahlen aufhalten.